WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

9:05 | 07.05.2010
Die 17-größte Volkswirtschaft der Welt

Düsseldorf (ddp-nrw). Wäre Nordrhein-Westfalen ein eigenständiger Staat, würde dieser laut Landesregierung an 17. Stelle unter den leistungsstärksten Ländern der Welt stehen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 522 Milliarden Euro im Jahr 2009 erzielt das mit rund 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesland knapp fünf Prozent der ökonomischen Leistung der gesamten Europäischen Union.

Große Konzerne wie Bayer, E.ON, RWE und ThyssenKrupp haben hier ihren Hauptsitz. Die ökonomische Kraft hat jedoch auch negative Seiten: Laut Umweltschützern stehen von den weltweit zehn besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerken allein vier in NRW. Zudem hat das Land im Westen der Republik auch historische Strukturschwächen.

NRW ist nach Darstellung der Landesregierung ein «High-Tech-Standort von Weltrang». Kaum eine andere Region in Europa verfügt über eine so reiche Forschungslandschaft. Zu ihr gehören unter anderem 68 Hochschulen. Zu den führenden NRW-Universitäten zählen etwa die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen und die Ruhr-Universität in Bochum.

Während Regionen wie Sauerland, Rheinland und Münsterland mittelständisch geprägt sind, stecken das Ruhrgebiet und das Bergische Land weiterhin mitten im Strukturwandel. Nach dem Niedergang der Montanindustrie gibt es heute in NRW nur noch fünf Steinkohle-Zechen. Die Kommunen im Revier stehen in einem beinharten Wettbewerb um neue Investoren. Die Arbeiter der Autofabrik Opel in Bochum kämpfen seit Jahren um ihr Werk.

«Das Ruhrgebiet zieht NRW wegen des Strukturwandels etwas herunter, aber NRW wäre auch ohne das Revier keine superstarke Wirtschaftsmacht», sagt der Sozialforscher Franz Lehner vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen. Das Land müsse seine Förderpolitik weiter auf das Revier konzentrieren und gleichzeitig das Schulsystem in NRW modernisieren.

Die Arbeitslosenquote in ganz NRW liegt derzeit bei 9,0 Prozent. Bundesweit beträgt die Quote dagegen nur 8,1 Prozent. Auch beim Wachstum liegt Nordrhein-Westfalen unter dem Bundesdurchschnitt. Während der weltweiten Rezession brach das Wirtschaftswachstum 2009 deutschlandweit um 5,0 Prozent ein. Zwischen Rhein und Weser betrug der Einbruch dagegen 5,8 Prozent. Im bundesweiten Vergleich waren die Rückgänge nur im Saarland und in Baden-Württemberg stärker.

Hightech statt Hochöfen, Zechen als neue Orte für Kulturevents, Partymeile statt Malocherkneipe – in diesem Jahr präsentieren sich die 53 Städte des Ruhrgebiets zusammen als «Kulturhauptstadt Europas». Unter der Überschrift «Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel» umfasst das vielfältige Programm 300 Projekte mit rund 5000 Veranstaltungen der Hoch- und Popkultur. Seit Jahresbeginn sind bereits mehr als 2,5 Millionen Besucher in den «Pott» geströmt.

Vor allem das Ruhrgebiet ist seit Jahrzehnten ein «Melting Pot», der Einwanderer aus zahlreichen Ländern anlockt. In Nordrhein-Westfalen leben heute mehr als 4,1 Millionen Menschen mit Zuwanderungshintergrund. Nordrhein-Westfalen ist auch ein Sportland. Allein in der Fußball-Bundesliga stellt NRW in der noch laufenden Saison sechs Erstligisten und sieben Zweitliga-Clubs.

Die größte Stadt im Land ist mit knapp einer Million Menschen Köln. Auf Platz zwei folgt Düsseldorf mit rund 584 000 Einwohnern – knapp vor Dortmund (etwa 582 000) und Essen (rund 578 000).

Seit der Fusion von großen Teilen der alten preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland durch die britischen Alliierten im Jahr 1946 ist Nordrhein-Westfalen ein etwas künstliches Bindestrichland geblieben. Man fühlt sich eher als Ruhrgebietler, Rheinländer oder Westfale denn als NRW-Bürger. Um das «Landesbewusststein» zu fördern, veranstaltet die Landesregierung zum Gründungsjubiläum des Landes im Sommer einen «NRW-Tag» mit großem Feier-Programm.

Die Mentalitätsunterschiede aber sind langlebig. «Wir Westfalen müssen das halten, was die Rheinländer versprechen», sagte der frühere SPD-Ministerpräsident und Westfale Fritz Steinhoff einst über die Gegensätze zwischen den als lebensfroh geltenden Rheinländern und den als bodenständig bekannten Westfalen.

ddp


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