15:34 | 21.01.2009
Die Schere geht weiter auseinander
Berlin (ddp). Die Vermögensungleichheit in Deutschland ist in den
vergangenen Jahren weiter gewachsen. Im Ost-West-Vergleich hätten
sich die Vermögen deutlich auseinander bewegt, sagte Markus M. Grabka
am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf eine von ihm für die
gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung erstellte Studie zur
Vermögensverteilung. In Westdeutschland seien die Nettovermögen von
2002 bis 2007 um 10 000 Euro auf 101 000 Euro gestiegen, in
Ostdeutschland hingegen um 3000 Euro auf 31 000 Euro gefallen. Das
liege vor allem an den sinkenden Immobilienwerten und der hohen
Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern.
Grabka zufolge trägt das Arbeitslosengeld II dazu bei, dass das
Risiko einer Altersarmut insbesondere in Ostdeutschland wächst. Die
bestehenden Regelungen führten zu einem stärkeren «Entsparen im Falle
von Arbeitslosigkeit», da «eigenes Vermögen zunächst weitgehend
aufgezerrt werden muss», bevor die staatliche Unterstützung in
Anspruch genommen werden könne.
Nach Angaben von Grabka belief sich 2007 das private
Brutto-Vermögen der Bundesbürger, ohne Autos und Hausrat, auf rund
8,055 Billionen Euro. Grund- und Immobilienbesitz machten davon 5,3
Billionen Euro aus. Die Verbindlichkeiten der Privathaushalte lagen
bei 1,4 Billionen Euro. Somit ergebe sich ein Nettogesamtvermögen von
6,6 Billionen Euro, erklärte Grabka. Durchschnittlich habe 2007 jeder
Erwachsene 88 000 Euro besessen und damit 8000 Euro mehr als 2002.
Der Studie zufolge nimmt der Unterschied zwischen Arm und Reich in
Deutschland zu. Etwa zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung besitze
netto kein oder nur ein geringes Geld- oder Sachvermögen. Auf das
reichste Hundertstel der deutschen Bevölkerung konzentrierten sich
knapp 23 Prozent des Nettovermögens. Das wohlhabendste Zehntel
verfüge über 61,1 Prozent des privaten Vermögens. 2002 seien es nur
57,9 Prozent gewesen. Der Wert des mittleren Vermögens liegt nach
Angaben von Grabka «gerade einmal bei 15 000 Euro».
Der Wissenschaftler am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung
(DIW) erklärte, dass im internationalen Vergleich die
Vermögensungleichheit in Deutschland noch moderat sei. Die
Finanzmarktkrise habe sich bisher nur wenig ausgewirkt. Allerdings
dürfte die Abgeltungssteuer zu einer weiteren Zunahme der
Einkommensungleichheit führen, kritisierte Grabka. Auch die Reform
der Erbschaftssteuer konserviere diese Ungleichheit.
Für die Studie wurden 23 000 Personen ab 17 Jahren befragt.
(ddp)
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