WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

17:44 | 02.09.2010
Einigung in letzter Minute? -

Berlin (ddp). Die 25 000 Karstadt-Beschäftigten können vermutlich aufatmen: Der Investor Nicolas Berggruen, der die insolvente Warenhauskette übernehmen will, hat sich offenbar mit den Gläubigern des Immobilienfonds Highstreet auf Mietnachlässe für die Kaufhäuser geeinigt. Das war Bedingung für den Einstieg des US-Milliardärs. Damit kann wohl nun am Freitag das Essener Amtsgericht den Insolvenzplan genehmigen – mehr als ein Jahr nach der Pleite des Unternehmens. Die drohende Zerschlagung des über 100 Jahre alten Traditionskonzerns dürfte damit abgewendet sein.

Ein Teil der Gläubiger des Fonds, dem 86 der 120 Karstadt-Warenhäuser gehören, trafen sich am Donnerstag in London, um über die von Berggruen geforderten Mietnachlässe zu sprechen. Der Investor hält die Mieten, die für die Immobilien gezahlt werden müssen, für deutlich zu hoch. Die Gläubiger wiederum, die über Anleihen direkt an den Gebäuden oder indirekt an Highstreet beteiligt sind, bangen um ihre Einlagen: Zahlt Karstadt weniger Miete, erhalten sie eine geringere Rendite.

Mit den Anleihegläubigern wurde nach Angaben eines Berggruen-Sprechers – wie im Vorfeld erwartet- recht bald Einigung erzielt. Diese stimmten dem Konzept “zu 100 Prozent” zu. Offiziell nicht bestätigt wurde bis zum Nachmittag, ob auch mit der anderen Gläubigergruppe, den sogenannten Mezzanine-Kapitalgebern, Übereinkunft erzielt wurde. Medienberichten zufolge stimmten aber auch diese den neu ausgehandelten Mietverträgen zu. Ein Sprecher von Highstreet wollte das nicht bestätigen.

Mit der Einigung auf der Highstreet-Gläubigerversammlung in allerletzter Minute dürfte auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg aufatmen, der sich bis zuletzt für das Berggruen-Konzept eingesetzt hatte – auch, als der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti weit nach Ablauf der Frist ein Gegenangebot einreichte. Görg hatte für den Fall des Scheiterns wohl schon ein Liquidationsszenario vorbereitet, wonach die Sport- und Premiumhäuser bis Jahresende verkauft und alle anderen Filialen bis Ende Februar 2011 geräumt werden sollten.

Laut “Financial Times Deutschland” soll Borletti versucht haben, die Mezzanine-Geldgeber zum Verkauf ihrer Kredite an ihn zu bewegen. Diese Gläubiger sind mit einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital an dem von Goldman Sachs und Deutsche Bank geführten Highstreet-Konsortium beteiligt und haben deshalb weder Sicherheiten noch Stimmrechte, erhalten dafür aber höhere Zinsen. Zudem hat jeder von ihnen ein Vetorecht, falls etwa die Zinsen gekürzt würden. Das machte eine Einigung innerhalb dieser Gläubigergruppe bis zuletzt so schwierig.

ddp


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