WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

16:34 | 02.09.2010
EZB hebt Konjunkturprognosen an

Frankfurt/Main (ddp). Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet trotz besserer Konjunkturaussichten weiter nur eine gedämpfte Entwicklung der Inflation. Die EZB hob die Konjunkturaussichten für den Euro-Raum am Donnerstag für das laufende Jahr deutlich und für 2011 leicht an. Die Inflationserwartung steigt demgegenüber aber nur geringfügig. Die Leitzinsen ließ das Gremium erwartungsgemäß unverändert.

Wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach einer Sitzung des EZB-Rates mitteilte, erwartet die Zentralbank für das laufende Jahr nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent statt bislang 1,0 Prozent. 2011 wird ein BIP-Zuwachs von 1,4 Prozent, statt bislang 1,2 Prozent veranschlagt. Trichet sagte, die Risiken für diesen besseren Ausblick seien leicht abwärtsgerichtet. Der EZB-Rat rechne sowohl im Euroraum als auch global mit einem moderateren Wachstum in einem weiter von Unsicherheit geprägten Umfeld, erläuterte Trichet. Das Wachstum im Euroraum dürfte aber weiterhin von einem positiven Momentum geprägt sein. Allerdings dürften die konjunkturelle Erholung durch den Prozess der Bilanzanpassungen in verschiedenen Sektoren und die Arbeitsmarktaussichten gedämpft werden.

Wie Trichet weiter sagte, erwartet die EZB, dass die Preisentwicklung dank des geringen Preisdrucks in der Eurozone über die geldpolitisch relevante mittlere Frist moderat bleiben werde. Dies legten das schwache Geldmengen- und Kreditwachstum nahe. Der EZB-Rat betrachte die Leitzinsen daher weiterhin als angemessen. Die Inflationserwartungen seien weiterhin fest auf einem Niveau verankert, das mit dem Ziel im Einklang stehe, die Preissteigerung mittelfristig unter, aber nahe zwei Prozent zu halten. “Die feste Verankerung der Inflationserwartungen ist nach wie vor von zentraler Bedeutung”, betonte Trichet.

Nach den neuen, von Trichet vorgestellten EZB-Stabsprojektionen rechnet die EZB für 2010 und 2011 mit jahresdurchschnittlichen Teuerungsraten von 1,6 Prozent (bisher: 1,5) und 1,7 Prozent (1,6). Die Risiken für diesen leicht angehobenen Inflationsausblick bezeichnete er als leicht aufwärtsgerichtet. Die Jahresveränderungsraten des harmonisierten Verbraucherpreisindex dürften von Volatilität gekennzeichnet sein, im weiteren Jahresverlauf aber steigen.

Der EZB-Präsident verwies darauf, dass alle während der akuten Finanzmarktspannungen ergriffenen Sondermaßnahmen vollständig im Einklang mit dem Auftrag des EZB-Rats stünden und entsprechend ihrer Ausgestaltung vorübergehender Natur seien. “Der geldpolitische Kurs, die Liquiditätsversorgung und die Tender-Zuteilungsmechanismen werden gegebenenfalls angepasst. Dementsprechend wird der EZB-Rat auch in nächster Zeit alle Entwicklungen sehr genau verfolgen”, kündigte Trichet an. Der EZB-Rat werde die künftige Entwicklung aller verfügbaren Preisindikatoren genau beobachten.

ddp


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