16:51 | 10.08.2009
Forschen für den emissionsfreien Schienenverkehr
Brandenburg/Havel (ddp-lbg). Die Deutsche Bahn AG will im
Industriegebiet Kirchmöser in Brandenburg/Havel gemeinsam mit
Partnern aus Industrie und Forschung ein Kompetenzzentrum für
umweltfreundliche Bahntechnologien errichten. Im sogenannten Eco Rail
Center solle ein emissionsfreier Schienenverkehr entwickelt werden,
sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Montag bei der Vorstellung des
Projekts. Schirmherr und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier
sagte, mehr Energie- und Rohstoffeffizienz sei «der Schlüssel zur
Arbeit von morgen». Das Bahnforschungszentrum sei deshalb ein
Zukunftsprojekt. Deutschland solle zum «Ausrüster der Welt für
umweltschonende Produkte» werden.
Grube betonte, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es
wichtig, Zeichen des Aufbruchs zu setzen und in die Zukunft zu
investieren. Langfristiges Ziel sei es, auf nichtelektrifizierten
Bahnstrecken einen emissionsfreien Schienenverkehr zu fahren und
insgesamt die «umweltfreundlichste Transportkette» anbieten zu
können. «Wir werden energieeffiziente und innovative Technologien
hier in Kirchmöser einsatzfähig machen», fügte der Bahnvorstand
hinzu.
Kirchmöser sei für ein solches Projekt der ideale Standort, sagte
die Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel, Dietlind Tiemann
(CDU). In dem Industriegebiet würden sich Tradition und Moderne
verbinden. Seit 2004 habe die Stadt mit Unterstützung des Landes und
der EU rund 90 Millionen Euro in die Revitalisierung des
Bahnstandortes investiert.
Der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland,
Friedrich Smaxwil, sagte, für die Bahnindustrie biete sich mit dem
Forschungszentrum die Gelegenheit, innovative Produkte schneller zur
Marktreife zu bringen und somit die Position als Weltmarktführer
umweltschonender und wirtschaftlicher Bahnprodukte weiter auszubauen.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) fügte hinzu: «Wir
sind auf dem Weg in eine neue Verkehrswelt.» Deutschland solle dabei
ganz vorn dabei sein. Die Bahn sei bereits eines der
umweltfreundlichsten Verkehrsmittel. Damit das so bleibe, müsse sie
sich neuen Herausforderungen stellen und innovative
Antriebstechnologien mit minimalen Emissionen entwickeln.
Auch Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU)
begrüßte die geplante Ansiedlung des Eco Rail Centers. Das habe
Signalwirkung für das Land Brandenburg, welches auf Innovationen und
Forschung setze. Wanka schloss sich aber zugleich der Kritik von
Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) an, der zuvor die
verfrühte Ankündigung von Investitionsvorhaben durch die SPD und
deren Kanzlerkandidaten moniert hatte. «Wir sollten erst etwas
verkünden, wenn es handfest ist», sagte Wanka. Im Fall des Eco Rail
Centers sei die künftige Finanzstruktur noch nicht geklärt. Es seien
noch einige Details offen. Wanka fügte hinzu. «Bloße Ankündigungen
stärken nicht das Vertrauen der Wähler.»
Die Partner der Bahn bei der Entwicklung des Zentrums sind Alstom
Transport, Bombardier Transportation, Deutsches Zentrum für Luft- und
Raumfahrt, Enertrag, Fachhochschule Brandenburg, Linde, Siemens,
Solon, Tognum, Verband der Bahnindustrie in Deutschland und Voith
Turbo.
Das Industriegebiet Kirchmöser gilt als eines der wichtigsten
Bahn-Kompetenzzentren in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.
Dort sind bereits mehrere Unternehmen der Schienenverkehrstechnik
sowie des Maschinen- und Anlagenbaus und der Automatisierungstechnik
präsent. Die Bahn ist in Kirchmöser bereits mit der DB Systemtechnik
und dem Labor des DB Umweltzentrums ansässig.
(ddp)
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