WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

17:18 | 20.07.2008
Genmais-Protest bei Neuruppin

Wildberg (ddp-lbg). Im Cafe von Daniela Kessel in Wildberg
herrscht am Sonntagmittag Hochbetrieb. Zahlreiche Polizisten und
viele der 150 Demonstranten, die in das 680-Seelen-Dorf unweit von
Neuruppin gekommen sind, versorgen sich bei der 36-Jährigen mit
Kaffee und Gebäck. Alles ist friedlich, in dem kleinen Cafe kommt es
zu keinem Gerangel.

So friedlich wie bei Daniela Kessel geht es wenig später auch auf
dem Feld zu. Die Demonstration des Barnimer Aktionskreises gegen
jenen Genmais, den ein Wildberger Landwirt auf zwei Feldern anbaut,
verläuft ohne Zwischenfälle. Im Unterschied zu Aktionen aus der
Vergangenheit, als Demonstranten festgenommen wurden, ist diesmal
alles anders. Die Polizei riegelt mit zwei Hundertschaften und
berittenen Beamten das Feld hermetisch ab und überwacht das gesamte
Gebiet aus der Luft.

Für die Demonstranten, die von Besetzern des unweit gelegenen
«Bombodroms» unterstützt werden, bleibt kaum eine Chance. Das
Barnimer Bündnis gibt zwar vor, dass zwei Aktivisten Pflanzen
ausgerissen haben sollen. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden
aber bis zum Nachmittag keine Zerstörungen auf dem Genmaisfeld
festgestellt.

Hintergrund der Proteste in Wildberg ist der Anbau der
Genmaissorte «MON 810» des US-Saatgutkonzerns Monsanto auf zwei
Feldern in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet Temnitztal. Nach
Auffassung des Barnimer Aktionskreises verstößt dies gegen die
geltende Rechtslage in Brandenburg. «Der Genmais wächst 300 Meter vom
Naturschutzgebiet entfernt», sagt Thomas Janoschka. Damit werde der
Mindestabstand zwischen Feldern und Schutzgebieten nicht eingehalten.
Er beruft sich dabei auf einen Runderlass des Brandenburger
Umweltministeriums aus dem Frühjahr, wonach gentechnisch veränderte
Pflanzen nur mit einem Mindestabstand von 800 Metern zu
entsprechenden Gebieten angepflanzt werden dürfen.

Allerdings ist der Erlass noch nicht verpflichtend. Für Janoschka
ist das Anlass zu Kritik an der Politik des Ministeriums. «Es gibt
wohl zu viele Bauern, die Genmais anbauen, und mit denen will man
sich nicht anlegen», denkt er. Dabei hält er die Auswirkungen des
Genmais für beträchtlich. «Neben dem Maiszünsler, der durch die
Genmanipulation getötet werden soll, sterben auch andere Arten», sagt
er. Gemeinsam mit den Gegnern des Bombodroms wolle man deshalb um
Aufmerksamkeit werben. «Bombenabwürfe und Gentechnik sind die beiden
denkbar schlechtesten Aushängeschilder für die Region», sagt
Janoschka.

Unter den Einwohnern Wildbergs sind die Ansichten über die
Demonstration geteilt. Viele zeigen Unverständnis und reagieren zum
Teil erbost. «Die Wildberg Agrar GmbH hat viel für den Ort getan»,
sagt etwa eine ältere Frau, die wie 50 weitere Wildberger die
Demonstration verfolgen. Besonders der Geschäftsführer der Agrar
GmbH, Elmar im Brahm, genieße einen tadellosen Ruf. «Ohne ihn sähe es
hier wohl anders aus», heißt es unisono.

Gastronomin Daniela Kessel vermutet, dass sich viele Wildberger
einfach in ihrer täglichen Ruhe gestört fühlen. Hinzu komme der
typische Konflikt zwischen Stadt und Land. Viele Bauern hier fühlten
sich von den Zugereisten provoziert. Persönlich hält sie den Anbau
von Genmais für bedenklich und begrüßt die Demonstration. «Die Leute
wissen viel zu wenig über die Gentechnik und müssten eigentlich
aufgeklärt werden», sagt Kessel. Sie selbst habe erst vor kurzem eine
Reportage über den US-Konzern Monsanto und die den Angaben zufolge
negativen Auswirkungen von dessen Produkten auf Mensch und Umwelt
gesehen. «Ich möchte das nicht essen», sagt die 36-Jährige.

(ddp)


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