WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

18:54 | 30.10.2010
Grube will Alternative zu Rheintalbahn-Trasse parallel zur Autobahn prüfen

Kenzingen/Kappel-Grafenhausen (dapd). Bahnchef Rüdiger Grube will Alternativlösungen für den Ausbau der 120 Kilometer langen Rheintaltrasse zwischen Offenburg und Basel prüfen lassen. Man wolle klären, ob die Trasse in Offenburg unterirdisch verlaufen könne und Anfang des nächsten Jahres Erderkundungen eingeleitet werden könnten, sagte Grube am Samstag auf seiner Infotour entlang der geplanten Strecke im Badischen Kenzingen.

Außerdem wolle man prüfen, ob die auch Trasse, die zwei Gleise für den Güterzugverkehr vorsieht, parallel zur Autobahn gebaut werden kann, statt entlang der bereits vorhandenen Personenverkehrsstrecke. Die Alternativen wolle er bei einem informellen Treffen mit dem Verkehrsministerium im November besprechen. Er sei bereit, 300 Millionen Euro Eigenmittel zusätzlich zu den bereits veranschlagten Kosten aufzuwenden.

Sollte eine Trasse entlang der Autobahn, die von vielen Gegnern der aktuellen Ausbaupläne der Bahn favorisiert wird, sich als die bessere Lösung erweisen, dann will Grube nach eigene Angaben dafür werben, auch wenn mehr Kosten dadurch entstehen. “Ich möchte kein zweites Stuttgart 21″, sagte Grube. “Ich bin lieber zwei Jahre später fertig und habe die Bürger für ein Projekt begeistert”, fügte er hinzu.

Grube traf am Samstag an verschiedenen Orte entlang der Ausbaustrecke der Rheintalbahn am Oberrhein Bürgerinitiativen, die insbesondere eine Verlegung der außerhalb von Ortschaften und mit mehr Abstand zu Wohngebieten und um Lärmschutz fordern. Der Ausbau der Rheintalbahn von Karlsruhe nach Basel von zwei auf vier Gleise soll mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten.

In Kenzingen wurde Grube mit Blasmusik, Transparenten, Trillerpfeiffen, aber auch Applaus von den etwa 400 Demonstranten empfangen. Herbert Walter von der Bürgerinitiative BI Bahn sagte der Nachrichtenagentur dapd, man sei gegen die Ausbaupläne der Bahn, da die eine Güterbahnlinie entlang des Personenverkehrsnetzes durch Ortschaften vorsähen. Das brächte eine hohe Lärm- und Feinstaubbelastung mit sich. Auch mit den hohen Kreuzungsbauwerken, die in der Region geplant seien, sei man nicht zufrieden.

Folker Fiedler, ein weiterer Protestteilnehmer, fügte hinzu: “Ich bin dafür, dass der Verkehr von der Straße wegkommt.” Aber man wolle, dass die Güterbahntrasse entlang der Autobahn verlaufe, damit die Lärmbelastung in den Gemeinden geringer würde. Auch in Herbolzheim demonstrierten nach Angaben der Polizei etwa 1.500 bis 2.000 Menschen gegen die gegenwärtigen Ausbaupläne der Rheintalbahn. In Offenburg, Lahr und Grafenhausen waren es zusammen rund 280 Besucher.

Grube versprach zudem einen dauerhaften Austausch mit der Bevölkerung. “Das ist keine Eintagsfliege. Ich verspreche Ihnen, bis März bin ich wieder hier”, sagte er bei seiner Station in Kappel-Grafenhausen. Ziel sei, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens da wiederherzustellen, wo sie durch mangelnde Dialogbereitschaft beeinträchtigt worden sei.

Grube hatte im September bei einem ersten Treffen mit Gegnern der Güterbahnlinie zwischen Offenburg und Basel sowie mit Regionalpolitikern in Bad Krozingen angekündigt, er wolle sich alle sechs bis acht Wochen vor Ort über die Wünsche und Anregungen der Bürger informieren. Am Wochennede wollte der Bahn-Chef unter anderem Kenzingen, Buggingen und Weil am Rhein besuchen.

dapd


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