WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

14:52 | 21.07.2008
Hamburger Konsortium gibt Gebot für Hapag-Lloyd ab

Hannover (ddp). Das sogenannte Hamburger Konsortium hat ein Gebot
für die zum Verkauf stehende Containerschifffahrtssparte der TUI
(Hapag-Lloyd) eingereicht. Das teilten die Koordinatoren des
Konsortiums, Christian Olearius und Wolfgang Peiner, am Montag in
Hamburg mit. «Nach einigen Wochen intensiver Arbeit haben wir ein
wettbewerbsfähiges Angebot abgegeben», sagte Olearius ohne Nennung
des gebotenen Preises. «Unser Konsortium sichert die Eigenständigkeit
von Hapag-Lloyd langfristig ab», ergänzte Peiner.

Peiner, Wirtschaftsprüfer und ehemaliger Hamburger Finanzsenator,
und Olearius, persönlich haftender Gesellschafter und Sprecher der
Geschäftsführung des Bankhauses M.M.Warburg, sind Initiatoren der
sogenannten Hamburger Lösung. Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne
(Kühne + Nagel) habe als einer der ersten die Hamburger Lösung
maßgeblich unterstützt und «erheblichen» Anteil an dem Zustandekommen
des Angebots, hieß es weiter.

Das Konsortium vereint den Angaben zufolge institutionelle und
private Investoren, die mit dem Erwerb der Hapag-Lloyd AG klar
definierte finanzielle und strategische Ziele verfolgen. Hapag-Lloyd
soll als eigenständige Reederei mit Sitz in Hamburg erhalten werden,
den wirtschaftlichen Erfolg fortsetzen und ausbauen.

Am Montag endet die Frist zur Einreichung von Geboten für
Hapag-Lloyd. Angaben über die Zahl der Gebote und der Bietenden will
TUI dem Vernehmen nach nach Ablauf der Frist aber nicht machen.

Als Hauptinteressent gilt die in Singapur ansässige Reederei
Neptune Orient Lines (NOL), die für die
TUI-Containerschifffahrtssparte sechs bis sieben Milliarden Dollar
bieten soll. Den Verkaufsprospekt hat TUI Medienberichten zufolge
auch an Reedereien in Tokio und Hongkong verschickt. Durch einen
Verkauf von Hapag-Lloyd sollen die TUI-Großaktionäre mehr Geld aus
ihrem Aktienbesitz erwirtschaften. Der Verkaufserlös soll dann an die
Anteilseigentümer ausgeschüttet werden.

Nach Angaben des Betriebsrates von Hapag-Lloyd sind durch einen
Verkauf ins Ausland bundesweit rund 3000 Arbeitsplätze bedroht.

Wie TUI am Montag weiter mitteilte, hat der russische Investor
Alexej Mordaschow seinen Anteil an dem börsennotierten Touristik- und
Schiffahrtskonzern auf über 15 Prozent ausgebaut. Wie das im DAX
notierte Unternehmen in Hannover mitteilte, hat Mordaschows Anteil am
15. Juli 15,03 Prozent betragen. Mordaschow wird mit diesem Schritt
nach Angaben von TUI zum größten Aktionär. Der norwegische Reeder
John Fredriksen hält 15,01 Prozent.

Mordaschow sagte am Montag, die vom Management geplante
Fokussierung auf das Tourismus-Geschäft sei im besten Sinne aller
Aktionäre. Dadurch werde die finanzielle Flexibilität der TUI
gestärkt, und das Unternehmen bekomme die Möglichkeit zur
Dividendenzahlung.

Damit vertritt Mordaschow eine andere Auffassung als Fredriksen.
Dieser fordert das TUI-Management seit Monaten auf, den geplanten
Verkauf der Containerschifffahrtssparte Hapag-Lloyd zu stoppen und
begründet dies mit dem zu geringen Preis, den TUI aller Voraussicht
nach dafür erlösen werde. Der norwegische Reeder setzt den
TUI-Vorstand bereits seit geraumer Zeit unter Druck und fordert die
Spaltung des Unternehmens in seine beiden Kerngeschäftsfelder.

(ddp)


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