WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

16:20 | 15.09.2009
Hoffnung für Schiffbau bei Nordseewerken

Hannover/Emden (ddp-nrd). Für die von der Schließung bedrohte
Schiffbausparte der Emdener Nordseewerke gibt es möglicherweise doch
noch Hoffnung. Der ThyssenKrupp-Konzern sowie der potenzielle
Investor Siag Schaaf signalisierten am Dienstag bei einem
Krisentreffen mit der niedersächsischen Landesregierung und
Vertretern von Betriebsrat und IG Metall Gesprächsbereitschaft über
einen Fortbestand des Schiffbaus bei dem angeschlagenen
Traditionsunternehmen. Die Verhandlungen sollen in den kommenden
Wochen stattfinden, wie Regierungschef Christian Wulff (CDU) nach dem
Treffen in Hannover ankündigte. Er hoffe, dass es nach den Gesprächen
nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, sagte Wulff.

Die Nordseewerke – nach VW der zweitgrößte Arbeitgeber in Emden –
haben wie andere norddeutsche Werften mit massiven Auftragsverlusten
infolge der Wirtschaftskrise zu kämpfen. ThyssenKrupp will die 106
Jahre alte Werft deshalb an den Windanlagenbauer Siag Schaaf
verkaufen, der den Schiffbau durch die Produktion von
Offshore-Windanlagen ersetzen will. Rund die Hälfte der 1400
Arbeitsplätze würde dadurch wohl wegfallen.

Der Kahlschlag sollte ursprünglich am Freitag auf einer
ThyssenKrupp-Aufsichtsratssitzung in Essen beschlossen werden. Dieser
Beschluss ist nun offenbar aufgeschoben. Wulff sagte, er sei froh,
dass es durch den «Druck» der Arbeitnehmer, der Stadt Emden und der
Landesregierung «gelungen sein dürfte, dass in dieser Woche keine
Fakten geschaffen werden».

Der CDU-Politiker nannte die Nordseewerke eine «hochinteressante
Werft» mit vielen Produktionserfolgen in den vergangenen Jahrzehnten.
Deshalb lohne es sich, «um den Schiffbaustandort Emden auch in
Zukunft zu kämpfen». Gleichwohl gebe es »unendlich viele komplizierte
Fragen, die der Klärung bedürfen«. Am Ende der Gespräche müsse es
gelingen, den Bau von Windanlagen mit der Produktion von Schiffen zu
kombinieren und so den Militär- und Zivilschiffbau in Emden zu
erhalten, sagte Wulff.

Der Vorsitzende des Betriebsrats, Fritz Niemeyer, sagte, die
Wirtschaftskrise habe die Werft »gewaltig« zurückgeworfen. Mit
ThyssenKrupp habe man aber in der Vergangenheit in »guten wie in
schlechten Zeiten« zusammengehalten. Deshalb verlange man von dem
Konzern, dass er auch weiter zu seinem Standort in Emden stehe und
die »Kompetenz« im Schiffbau erhalte. Er hoffe, dass die nun
anstehenden Gespräche zu »ordentlichen, vernünftigen Lösungen«
führten, sagte Niemeyer.

Emdens Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) sagte, die
Nordseewerke hätten in ihrer 106-jährigen Geschichte »viele Höhen und
Tiefen erlebt und alle gemeistert«. Die Schließung jedoch wäre für
Emden ein »Super-Gau”. Der Stadtrat hatte am Montag eine Resolution
gegen die geplante Werftenschließung verabschiedet.

Mehrere Dutzend Mitarbeiter der Werft starteten am Dienstag vor
den Werkstoren eine Mahnwache, um für den Erhalt des Schiffbaus am
Standort zu kämpfen. Außerdem lief eine Unterschriftenaktion unter
dem Motto «Eine Region steht zu ihrer Werft» an. Am Freitag wollen in
Hamburg mehrere Tausend Werftarbeiter für den Erhalt ihrer
Arbeitsplätze demonstrieren. Angekündigt haben sich neben
Beschäftigten der Nordseewerke auch Arbeiter der Kieler
Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) und der Hamburger Werft Blohm +
Voss.

(ddp)


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