17:28 | 16.09.2008
IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn
Hannover/Hamburg/Frankfurt (ddp). Die IG Metall will mit einer
Forderung von acht Prozent mehr Lohn in die bevorstehende Tarifrunde
gehen. Das beschlossen die Tarifkommissionen der Bezirke Küste und
Niedersachsen sowie für die sogenannte Mittelgruppe mit Thüringen,
Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland am Dienstag, wie die
Gewerkschaft mitteilte. Der Tarifvertrag für die insgesamt 620 000
Beschäftigten soll nach den Vorstellungen der Gewerkschaft eine
Laufzeit von zwölf Monaten haben. Gesamtmetall-Präsident Martin
Kannegiesser warnte indes vor überhöhten Forderungen.
Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sagte, die
Erwartungshaltung der Beschäftigten sei angemessen und finanzierbar.
Die Auftragslage bei den Unternehmen sei weiterhin gut. Er fügte
hinzu: «Mit einem mickrigen Inflationsausgleich, wie vom
Gesamtmetall-Präsidenten Kannegiesser vorgeschlagen, lassen wir uns
nicht abspeisen.» Die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta
Blankau, betonte, während die Branche brumme, explodierten
gleichzeitig die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten. Auch der
Bezirksleiter der Mittelgruppe, Armin Schild, wies auf die
«außerordentlich gute Ertragslage» hin.
Die Arbeitgeberseite reagierte mit Unverständnis auf die
Forderungen. Die Fakten zeigten deutlich, dass es in der Metall- und
Elektrobranche nicht so positiv wie zuletzt weitergehen werde, sagte
der Geschäftsführer von NiedersachsenMetall, Dietrich Kröncke.
Nordmetall-Vizepräsident Michael Waskönig hält die Tarifforderung nur
zur Hälfte für berechtigt. Die anderen 50 Prozent Tariferhöhung, die
von der Gewerkschaft als Gerechtigkeitszuschlag oder soziale
Komponente bezeichnet werde, seien dagegen töricht.
Auch Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser sieht angesichts der
Konjunkturlage kaum Spielraum in den bevorstehenden
Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. Alle
konjunkturellen Daten und Fakten «zeigen nach unten», sagte
Kannegiesser im ARD-«Morgenmagazin». Darauf müsse die IG Metall
Rücksicht nehmen und dürfe «nicht mit dem Kopf durch die Wand
wollen».
IG-Metall-Chef Berthold Huber bekräftigte in der Sendung hingegen
die Forderung der Gewerkschaft. Die Arbeitnehmer müssten endlich fair
an den Gewinnen der Unternehmen beteiligt werden. So stehe einem
Lohnplus von zehn Prozent seit 2004 wegen der exorbitanten
Preissteigerungen nur eine reale Steigerung um zwei Prozent
gegenüber. Der Inflationsdruck sei signifikant gewachsen, sagte
Huber. Deshalb wolle die Gewerkschaft in den im Oktober beginnenden
Tarifverhandlungen ein höheres Ergebnis als 2007 erreichen.
Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die norddeutsche
Metallindustrie findet für den Bezirk Küste am 6. Oktober in Hamburg
statt. Zwei Tage später verhandeln beide Seiten für den Bezirk
Niedersachsen in Hannover. Die Mittelgruppe beginnt bereits am 2.
Oktober in Frankfurt am Main. Die Tarifverträge laufen zum 31.
Oktober aus. Danach sind Warnstreiks möglich.
(ddp)
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