WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

4:02 | 10.02.2009
Island verweigert deutschen Kaupthing-Kunden Entschädigung

Hamburg (ddp). Islands Staatspräsident Olafur Ragnar Grimsson hat
sich vehement gegen eine Entschädigung deutscher Sparer durch die
Kaupthing-Bank ausgesprochen. «Die Deutschen müssen begreifen, dass
die Menschen in Island alles verloren haben», sagte Grimsson der
«Financial Times Deutschland» (Dienstagausgabe). Vor diesem
Hintergrund sei es den isländischen Steuerzahlern nicht zu
vermitteln, dass sie jetzt auch noch für die Verluste deutscher
Sparer aufkommen müssten.

Es sei «ungerecht», dass ausländische Anleger erwarteten, dass
Island «die ganze Last» der Finanzkrise trage, sagte das
Staatsoberhaupt. «Ich bin überrascht von den Forderungen unserer
Freunde im Ausland.» Die weltweite Finanzkrise sei nicht allein eine
isländische Angelegenheit, fügte Grimsson hinzu. Verantwortlich für
den Bankencrash sei vielmehr das europäische Bankensystem, das
dringend reformiert werden müsse.

Die mittlerweile verstaatlichte Kaupthing Bank war im Oktober 2008
gemeinsam mit zwei weiteren isländischen Großbanken
zusammengebrochen. Angelockt von hohen Zinsversprechungen, hatten 30
000 deutsche Sparer dort insgesamt 330 Millionen Euro angelegt. Seit
dem Zusammenbruch der Bank ist dieses Vermögen eingefroren, deutsche
Anleger bemühen sich bislang vergeblich um eine Auszahlung.

(ddp)


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