6:26 | 04.10.2008
Kofler will mit falschen Premiere-Zahlen nichts zu tun gehabt haben
München (ddp-bay). Nach dem Eingeständnis falscher Kundenzahlen
und dem Aktienabsturz beim Bezahlfersnsehsender Premiere bestreitet
der frühere Vorstandschef Georg Kofler, dass unter seiner Führung
falsche Zahlen veröffentlicht wurden. «Jeder Euro, den wir
ausgewiesen haben, ist auch erwirtschaftet worden», sagte Kofler dem
Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht. Im Umgang mit
Abonnentenzahlen gebe es zwei Strategien: Entweder viele Kunden mit
einem geringen durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz zu gewinnen oder
wenige Kunden mit einem hohen Pro-Kopf-Umsatz auszuweisen.
Er habe sich für die erste Variante entschieden, sagte Kofler. Die
zweite Möglichkeit sei offenbar die Philosophie des neuen
Managements. Beide Wege ergäben in der Bilanz den gleichen Umsatz.
Das Magazin berichtete, die Veröffentlichung überhöhter
Abonnementzahlen und die Verbuchung von Zigtausenden offenbar nicht
existierender Kunden sei schon vor dem von Kofler initiierten
Börsengang im März 2005 Praxis gewesen. Nach dem internen
Vertriebsbericht für den Dezember 2004 hätten die Sendermanager mit
Vertriebstricks operiert, die wohl den Eindruck einer wachsenden
Premiere-Kundschaft vermitteln sollten. So hätten 16 186 Kunden eine
zusätzliche Smartcard fürs Kinderzimmer zugeschickt bekommen. Diese
Gratis-Kinderabos hätten dem internen Bericht zufolge als vollwertige
Abonnements gezählt.
Zudem habe Premiere die Bewertung für die 11 750 Hotelzimmer mit
Pay-TV-Zugang geändert, schrieb das Blatt. Diese seien den Hoteliers
zwar «gemäß Auslastung» nur zu 60 Prozent in Rechnung gestellt
worden. Dennoch habe jedes Zimmer vom Dezember 2004 an als
hundertprozentiges Abonnement gezählt. Außerdem habe Premiere dem
Vertriebsbericht zufolge «Sportsbars» Musikpakete für zwölf Monate
verschenkt – was 10 000 Abos eingebracht habe.
Zudem habe der Pay-TV-Betreiber im Dezember 2004 15 000
Abonnementpakete an die HypoVereinsbank geliefert, schrieb das
Magazin. Ob alle Pakete von den Angestellten angenommen wurden, habe
die Bank jetzt nicht kommentieren wollen. Damals habe sie 19 000
Mitarbeiter gezählt. Demnach sei rechnerisch rund 80 Prozent von
ihnen ein Premiere-Abonnement angeboten worden. Mit dem Geschäft habe
die Bank geholfen, die Zahlen desjenigen Unternehmens aufzupolieren,
dessen Aktien sie wenige Wochen später als Konsortialführer beim
Börsengang verkaufte.
Dem Blatt zufolge lehnte Premiere eine Stellungnahme zu dem
Vertriebsbericht ab.
(ddp)
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