WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN |
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13:25 | 01.04.2011
Luftverkehrsabgabe macht der Branche zu schaffen
Berlin (dapd). Passagierzahlen gesunken, Hunderte Flugverbindungen gestrichen, mindestens 100 Jobs dahin: Die zu Jahresbeginn eingeführte Luftverkehrssteuer hat sich spürbar auf die Flugbranche ausgewirkt, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag ergab. Während manche Fluggesellschaften Verbindungen aufgeben, verlagern andere ihre Ziele zu grenznahen ausländischen Flughäfen. Branchenverbände rechnen damit, dass die Abgabe 2011 eine Verringerung der Passagierzahlen bis zu vier Prozent und eine Wachstumsminderung um zwei bis drei Prozentpunkte zur Folge hat. Die von der Bundesregierung beschlossene Abgabe wird für Flüge von deutschen Flughäfen erhoben – nach Flugzielen gestaffelt. Für Kurzstrecken beträgt sie 8 Euro, für Mittelstrecken 25 Euro und für Langstrecken 45 Euro. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts hat die Einführung der Steuer die Flugpreise verteuert, die ansonsten von Dezember auf Januar rechnerisch im Durchschnitt um 3,5 Prozent gefallen wären. Frachtflüge sind nicht betroffen. Die Bundesregierung erhofft sich davon Einnahmen von jährlich einer Milliarde Euro. Der Flughafenverband ADV und der Bundesverband der deutschen Fluggesellschaften (BDF) gehen davon aus, dass die Steuer die deutsche Luftverkehrswirtschaft in diesem Jahr bis zu fünf Millionen Passagiere kosten wird. Damit verbunden seien erhebliche Einnahmeverluste bei den kommunalen Gebietskörperschaften, den Ländern sowie bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung wie der Deutschen Flugsicherung. Nach einer Untersuchung des Weltluftfahrtverbandes IATA für die “WirtschaftsWoche” kostet die Abgabe das Land insgesamt bis zu 20.000 Arbeitsplätze. Die Steuer scheint vor allem Flughäfen an der Peripherie Deutschlands zu treffen. Zwar stiegen die Passagierzahlen nach ADV-Angaben in den ersten zwei Monaten dieses Jahres bundesweit um durchschnittlich 7,2 Prozent. Grenznahe Flughäfen wie Saarbrücken (minus 12 Prozent), Frankfurt-Hahn im Hunsrück (minus 14 Prozent) und Karlsruhe-Baden (minus 22,1 Prozent) verzeichneten dagegen zweistellige Rückgänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Aufgrund dieser Entwicklung hätten an diesem Standort bereits rund 100 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren, sagte eine Sprecherin von Frankfurt-Hahn. “Die Passagierrückgänge führten zu Mindereinnahmen nicht nur bei der Flughafen-Betreibergesellschaft, sondern auch bei Dienstleistungspartnern, im Einzelhandel und Gastronomiebetrieben im Terminal.” Grund hierfür sei insbesondere die Streichung von Flügen des irischen Billigfliegers Ryanair nach Berlin. Der Billigflieger strich mit Beginn des Sommerflugplans Ende März 414 wöchentliche Flugverbindungen innerhalb Deutschlands und ins Ausland. Für Frankfurt-Hahn bedeutete dies die Streichung der Strecken nach Agadir, Danzig, Göteborg, Klagenfurt, Prag, Sevilla und Breslau. Bis Ende des Jahres rechnet der Hunsrück-Flughafen deshalb mit einem Passagierrückgang bis 20 Prozent. Ryanair hat auch an den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Bremen und Weeze am Niederrhein das Angebot stark dezimiert. Andere Flughäfen wie beispielsweise Zweibrücken bieten aufgrund von Streckenstreichungen seit Januar gar keine innerdeutschen Flüge mehr an. Viele der betroffenen Airports versuchen nach eigenen Angaben die Verluste vor allem durch Wachstum bei der Luftfracht auszugleichen. Manche Fluggesellschaften weichen auf nahegelegene ausländische Flughäfen aus. Die Lufthansa-Tochter Germanwings beispielsweise fliegt seit Montag zwölfmal pro Woche von Berlin-Schönefeld nach Maastricht in den Niederlanden. Die Gesellschaft wolle damit den Passagieren die Gelegenheit geben, die Abgabe zu umgehen, sagte ein Sprecher. Die Airline habe seit Januar einen Passagierrückgang auf innerdeutschen Flügen von rund fünf Prozent verzeichnet. Für die Fluglinien bedeutet die Abgabe zudem einen “erheblichen bürokratischen Mehraufwand”, wie Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner betont . “Dies betrifft sowohl die Ermittlung der steuerrelevanten Daten, die Anmeldung gegenüber den Steuerbehörden als auch den zusätzlichen Aufwand für die Erläuterung der Daten gegenüber den Steuerbehörden.” Dem Sprecher zufolge reagieren viele Passagiere mit Unverständnis auf die Abgabe. “Speziell bei Langstreckenflügen kommen hier deutliche Zusatzbelastungen auf den Passagier zu”, sagte Schneckenleitner. Lufthansa-Ziele seien jedoch nicht gestrichen worden. Auch bei Air Berlin hieß es lediglich, die Steuer erhöhe den Preisdruck im nationalen Luftverkehr. Air Berlin steuere aber mit einer “Anpassung der Kapazitäten in Deutschland und einer Optimierung des Streckennetzes entgegen”. Wie sehr die neue Steuer die Passagiere belastet, hat die Interessenvertretung der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften (Barig) an einem Beispiel verdeutlicht. Demnach würde eine fünfköpfige Familie für eine Reise in die USA 225 Euro mehr bezahlen, wenn sie ab Düsseldorf anstatt ab Amsterdam fliegen würde. Angesichts dieser Entwicklung bekräftigte der ADV-Präsident Christoph Blume seine Forderung nach einem Aussetzen der Luftverkehrssteuer. Er verwies auf die inzwischen wieder zurückgenommene gleichartige Abgabe in den Niederlanden, die den Angaben zufolge Einnahmeverluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für die dortige Volkswirtschaft zur Folge hatte. Die genauen Konsequenzen in Deutschland werden Blume zufolge aber erst nach den Oster- und Sommerferien mit ihrem hohen Ferienfliegeranteil abzulesen sein. dapd |
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