10:38 | 12.02.2008
Magdeburger Firma baut in Dänemark
Magdeburg (ddp-lsa). Sachsen-Anhalts Baubetriebe sind auch im
Ausland auf der Suche nach Aufträgen. Längst haben erste Unternehmer
dort attraktive Kunden gefunden. «Nur so können wir der Talsohle der
gesamten Branche begegnen», sagt Christine Henze. Die
Geschäftsführerin der Gerling & Rausch GmbH aus Magdeburg bewegt sich
erfolgreich auf neuen Märkten. Das habe geholfen, die Auftragsflaute
in der Heimat zu überstehen, sagt die Ingenieurin.
Ein Teil der rund 45 Mitarbeiter der Firma pendelt seit zwei
Jahren nach Skandinavien. In Dänemark sind die Leute vom Bau gefragt.
27 ausbaufertige Reihenhäuser haben sie in der Nähe von Kopenhagen
errichtet. Ein weiterer Auftrag ist in Vorbereitung.
Längst besitzt der Betrieb aus der Landeshauptstadt eine gute
Reputation, er ist sogar Mitglied im dänischen Baugewerbeverband.
Dadurch entstanden persönliche Kontakte. Die Erlöse aus den Aufträgen
seien in Ordnung, von Preisdumping könne keine Rede sein, erklärt die
Geschäftsführerin. Sie ist zufrieden, auf diese Weise Arbeitsplätze
in Deutschland sichern zu können. «Ich glaube, viele unserer Kollegen
sind aufgeschlossener und weltoffener geworden», sagt sie.
Gert Sandow sieht in der Osterweiterung der Europäischen Union
eine Riesenchance für sein Unternehmen. Der Chef der Dessauer EAB-G
Sandow GmbH hat in über sechs Jahren gute Erfahrungen gemacht und
arbeitet unter anderem mit Partnern aus Slowenien, Litauen, der
Slowakei sowie der Ukraine zusammen. Das eigene Know-how gibt er an
Unternehmen auf dem Gebiet der Planung und Errichtung von
Gefahrenmeldeanlagen, Rauchschutz- und Überwachungsanlagen weiter.
«Bei unseren Nachbarn sind wir gut aufgenommen worden. Bei den
ersten Kontakten half uns das Wissen um die eigenen Projekte während
der Wendezeit», erzählt Sandow. Probleme kennt er auch und spricht in
diesem Zusammenhang von Sprachbarrieren oder Hindernissen durch
unterschiedliche Mehrwertsteuersätze. Der Dessauer vermeidet unnötige
Risiken. Lieferungen gehen nur gegen Barzahlung aus dem Haus. Künftig
will sich Sandow in Norwegen engagieren. Dann schickt er
qualifizierte Mitarbeiter direkt nach Skandinavien.
In Magdeburg öffnet das Euro Info Centre (EIC) klein- und
mittelständischen Unternehmen Wege ins europäische Ausland. «Bei uns
finden Handwerker und Industriebetriebe gleichermaßen ihren
Ansprechpartner», berichtet EIC-Leiter Dieter Dömland. Längst habe
sich der Trend gewandelt. Ging es bis Ende der 90er Jahr vor allem um
die Unterstützung bei der Suche nach Fördermitteln, machen sich heute
Firmen verstärkt selbst auf die Suche nach neuen Kunden.
Dömland nennt den Trend «äußerst positiv». Betriebe vertrauten
inzwischen mehr ihren eigenen Kräften als Fördermitteln. Das EIC als
offizielle EU-Beratungsstelle erhielt allein 2007 fast 1500 Anfragen,
sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Bei jeder vierten wurden
Kooperationspartner im Ausland gesucht.
Die Ziele seien unterschiedlich, erläutert Dömland. Möchte der
eine Unternehmer Kontakte zu potenziellen Partnern, hofft der nächste
auf Informationen über Vorschriften, Löhne, Preise oder
Rechtsvorschriften. Manchmal allerdings zeige sich Europa noch nicht
so einheitlich, wie man es sich vorstellt. Für bestimmte Tätigkeiten
seien die Zugangsvoraussetzungen hinderlich.
Da schüttelt ein deutscher Elektromeister schon einmal den Kopf,
wenn er sich in Spanien wegen eines Auftrags noch einmal für 14 Tage
auf die Schulbank setzen muss, um sein Wissen «aufzufrischen». Oder
ein Gerüstbauer aus Wernigerode kann nur unter strengen
Zugangsvoraussetzungen in Irland tätig werden, die zum Beispiel für
Unternehmen aus England nicht gelten. Zwar entscheide der Europäische
Gerichtshof in solchen Fällen zugunsten des deutschen Unternehmers,
sagt Dömland. Doch für den ursprünglichen Auftrag ist es dann längst
zu spät.
(ddp)
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