11:33 | 09.01.2008
Mindestlohn kostet PIN Group bis zu 45 Millionen Euro
Hamburg (ddp). Fast alle der 91 Gesellschaften des privaten
Briefdienstleisters PIN könnten aus finanziellen Gründen in die
Insolvenz geschickt werden. «Es kann die Mehrheit der Gesellschaften
sein. Es können fast alle sein», sagte Vorstandschef und
Insolvenzanwalt Horst Piepenburg der Wochenzeitung «Die Zeit». Als
Folge des Mindestlohns würden die Kosten der PIN Group dieses Jahr um
35 bis 45 Millionen Euro steigen. Sie erwarteten, dass sich der
größte Teil davon durch das Gesamtvolumen der
Insolvenzgeld-Finanzierung auffangen lasse.
Bei einer Insolvenz zahlt die Bundesagentur für Arbeit bis zu drei
Monate lang Insolvenzgeld in Höhe von 100 Prozent des Nettolohns
beziehungsweise -gehalts. Bei diesem Vorgehen handele es sich nicht
um einen Missbrauch des Insolvenzrechts, betonte Piepenburg. «Uns
geht es in erster Linie darum, die Arbeitsplätze von 9000 Menschen zu
erhalten», erklärte der PIN-Chef. Und dabei nutzten sie alle
Sanierungsinstrumente.
Bis zum Dienstag hatten bereits 17 Gesellschaften mit 3089 der
bundesweit rund 9000 Mitarbeiter Insolvenz angemeldet.
Das Verlagshaus Axel Springer («Bild», «Welt») hält knapp zwei
Drittel an PIN und hatte nach der Entscheidung des Bundestags zur
Einführung eines Mindestlohns für die Postbranche angekündigt, dem
Unternehmen keine Mittel mehr zur Verfügung zu stellen. Daraufhin
meldeten am 21. Dezember vergangenen Jahres die ersten
PIN-Gesellschaften Insolvenz an.
PIN ist derzeit auf der Suche nach Investoren. Es gebe mehr
potenzielle neue Geldgeber, als er erwartet habe, sagte Piepenburg
der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwochausgabe). Darunter seien sowohl
Finanzinvestoren als auch strategische Investoren aus dem In- und
Ausland.
(ddp)
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