12:23 | 09.12.2009
“Noch lange nicht das Ende der Fahnenstange”
Stuttgart (ddp-bwb). Der unabhängige Bahnexperte Michael Holzhey
von der Berliner Beratungsgesellschaft KCW rechnet mit drastischen
finanziellen Auswirkungen des Bahn-Großprojekts «Stuttgart 21». Die
neu kalkulierten Kosten von laut Medienberichten mehr als vier
Milliarden Euro «sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange»,
sagte Holzhey am Mittwoch im ddp-Interview. «Stuttgart 21» sei «im
Grunde nur der Anfang», betonte Holzhey, der bereits mehrfach im
Verkehrsausschuss des Bundestags als Sachverständiger auftrat.
Verbunden mit diesem Projekt sei eine notwendige Neubaustrecke von
Wendlingen nach Ulm. Diese ist bisher mit zwei Milliarden Euro
veranschlagt. “Realistisch dagegen sind eher vier Milliarden», sagte
Holzhey. Von der bisher geplanten Summe für die Bundesstrecke zahlt
das Land Baden-Württemberg mit rund 950 Millionen Euro fast die
Hälfte. Zusätzliche Kosten dagegen müsse voll der Bund tragen, auf
den damit Gesamtausgaben von bis zu drei Milliarden Euro zukommen
könnten.
«Durch die Ausgaben für diese Strecke, für ´Stuttgart 21´ und für
die etwa acht Milliarden Euro teure Strecke
Nürnberg-Erfurt-Halle-Leipzig, drohen dramatische verkehrspolitische
Effekte», sagt Holzhey. Als Folge könnten «über Jahre hinaus»
notwendige Investitionen in die Schieneninfrastruktur nicht geleistet
werden. Betroffen seien davon so wichtige Bereiche wie der
Hafenhinterlandverkehr oder die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und
Basel.
Am Mittwoch beriet der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn auf Basis
einer aktualisierten Kostenschätzung über das Großprojekt. Am
Donnerstag sollen die Projektpartner in Stuttgart über die Umsetzung
beraten. Nach Medienberichten wird «Stuttgart 21» nach der jüngsten
Schätzung mehr als vier Milliarden Euro kosten und damit rund eine
Milliarde teurer als bislang kalkuliert.
«Stuttgart 21» ist Teil des Bahnprojekts «Stuttgart-Ulm». Mit dem
Vorhaben soll der Stuttgarter Hauptbahnhof vom Kopf- zum
Tunnelbahnhof umgestaltet und samt Schienennetz unter die Erde
verlegt sowie an den Flughafen angebunden werden. Zusätzlich soll
eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen nach Ulm gebaut
werden.
(ddp)
|