WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

16:47 | 11.12.2008
Qimonda-Technologie “um anderthalb Jahre der Konkurrenz voraus”

Dresden (ddp-lsc). Sachsens Staatsregierung bekennt sich zum
Erhalt des krisengeschüttelten Chip-Herstellers Qimonda. «Ziel ist
die Sicherung des Mikroelektronikstandorts Sachsen einschließlich
Qimonda», sagte Wirtschaftsmininster Thomas Jurk (SPD) am Donnerstag
im Landtag in Dresden. Zugleich äußerte er sich optimistisch über die
Möglichkeiten zur Rettung des Unternehmens. Mit den Spitzen von
Konzern-Mutter Infineon und Qimonda habe es erst am Mittwoch in
Dresden «sehr konstruktive Gespräche» gegeben. Auch mit der
Bundesregierung und der Europäischen Union stehe man in Kontakt.

Jurk bestätigte, dass man sich ein Gutachten zum Unternehmen
eingeholt habe. Angesichts darin enthaltener Geschäftsinterna bat er
den Landtag um Verständnis, die Expertise nicht verbreiten zu können.
Seine weiteren Äußerungen ließen indes darauf schließen, dass Qimonda
im Gutachten Überlebenschancen eingeräumt werden. So sprach Jurk von
einem «leistungsfähigen» Unternehmen. «Qimonda hat momentan die
Technologieführerschaft» und sei «um anderthalb Jahre der Konkurrenz
voraus». Dies sei ein «gewaltiges Pfund». Zudem treffe der massive
Preisverfall auch die anderen Speicherchip-Produzenten.

Die Landtagsdebatte zu Qimonda war von der oppositionellen
Linksfraktion beantragt worden, die zuvor von der Regierung ein
klares Bekenntnis zum Erhalt des Chip-Herstellers in Dresden vermisst
hatte. Werde das Unternehmen nicht gerettet, sei neben
Arbeitslosigkeit auch die Abwanderung hochqualifizierter Ingenieure
zu befürchten, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher
Karl-Friedrich Zais. Mit Qimonda stehe ein «Herzstück» des Silicon
Saxony und gleichzeitig der größte private Arbeitgeber in Dresden auf
dem Spiel.

Zuletzt hatte die Staatsregierung zur Rettung der Firma öffentlich
und kritisch auf Mehrheitseigner Infineon verwiesen, dem das
Unternehmen zu 77,5 Prozent gehört. Mitte Oktober hatte Qimonda
angekündigt, knapp 1000 der etwa 3000 Stellen am Standort Dresden
abzubauen. Infineon-Chef Peter Bauer war vor knapp einer Woche mit
der Äußerung zitiert worden, dass der Konzern seine Tochter
gegenwärtig nicht mit eigenen Mitteln unterstützen könne.

Linke-Fraktionschef André Hahn forderte im Plenum
Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auf, Qimonda «erkennbar»
zur Chefsache zu machen. Die Linke verlangte von der Regierung, dem
Landtag Kernaussagen des Gutachtens zu Qimonda zumindest in
nicht-öffentlichen Ausschussitzungen bekanntzumachen. Vertreter von
CDU, SPD und Grünen äußerten hingegen Verständnis dafür, dass die
Regierung in der derzeitigen Situation keine Verhandlungsoptionen auf
den Tisch lege.

FDP-Wirtschaftsexperte Sven Morlok warnte, dass es «keine Rettung
um jeden Preis geben» dürfe. Der Grünen-Abgeordnete Karl-Heinz
Gerstenberg wünschte der Regierung Erfolg beim Versuch, Qimonda zu
retten. Dafür müsse gegebenenfalls «ein sehr hoher Preis» bezahlt
werden.

CDU-Wirtschaftsexperte Horst Rasch warf der Linken vor, aus der
Krise um Qimonda «politisches Kapital» schlagen zu wollen. Er verwies
darauf, dass eine Insolvenz von Qimonda auch Kosten bei der
Konzernmutter Infineon verursachen würde.

(ddp)


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