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Radsatzwellen der ICE-3 sind in Ordnung
Berlin (ddp). Nach dem ICE-Unfall am Kölner Hauptbahnhof ist die
technische Untersuchung von 61 ICE-3-Zügen der Deutschen Bahn (DB)
abgeschlossen worden. Es seien keine Auffälligkeiten festgestellt
worden, teilte das Unternehmen am Sonntag in Berlin mit. Die Züge
stünden somit wieder für den normalen Betrieb zur Verfügung. Laut
einem Medienbericht soll sich zwischenzeitlich Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee (SPD) eingeschaltet haben, um von der Bahn eine
schnelle Überprüfung der Züge zu verlangen.
Laut Bahn hatten die Mitarbeiter der DB-Werke in München, Dortmund
und Frankfurt in mehr als 100 Sonderschichten rund um die Uhr seit
vorvergangenem Freitag Ultraschall-Untersuchungen an den Zügen
durchgeführt. Am vergangenen Mittwoch habe der Konzern den Verkehr
auf allen ICE-3-Strecken wieder sicherstellen können. Der Zug 518 vom
Typ ICE-3 war am 9. Juli wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist.
Wegen der Untersuchungen war es zu zahlreichen Zugausfällen gekommen.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, die Bahn habe sich
zunächst geweigert, alle baugleichen ICE-Züge der dritten Generation
auf Mängel überprüfen zu lassen. Selbst das Eisenbahn-Bundesamt (EBA)
habe die Bahn erst nicht zu der aufwendigen Maßnahme bewegen können.
Daraufhin sei Verkehrsminister Tiefensee aktiv geworden und habe
Spitzenbeamte aus seinem Haus aufgefordert, das Bahn-Management zum
Einlenken zu bewegen, schreibt das Magazin. Doch auch nach dem
Gespräch seien die zuständigen Bahn-Vertreter nur «halb einsichtig»
gewesen. Erst am vorvergangenen Freitag, nach einer schriftlichen
Aufforderung des EBA und mehr als 40 Stunden nach dem Unfall, sei
dann die Entscheidung erfolgt, wirklich alle Züge untersuchen zu
lassen.
In der Bahn-Zentrale wird der Sachverhalt laut Magazin dagegen so
dargestellt: «Wir haben gemeinsam intensiv mit dem EBA debattiert und
eine einvernehmliche Lösung gefunden, die dann auch umgehend
umgesetzt wurde.»
In den vergangenen Tagen hatten mehrere Medien darüber berichtet,
dass die Bahn eine Überprüfung verzögert und erst auf Anweisung aktiv
geworden sei. Die Bahn hatte dies dementiert. Das
Bundesverkehrsministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu dem
Vorgang äußern und verwies darauf, dass das EBA noch ermittele.
Unterdessen geht dem Bericht zufolge die Suche nach der Ursache
für den Achsbruch weiter. Experten hielten einen Materialfehler für
weitgehend ausgeschlossen. «Alles spricht für eine äußere
Beschädigung der Radsatzwelle, etwa durch lose Metallteile des
Bahn-Unterbodens oder Gegenstände auf dem Gleis», sagte der Dresdner
Professor Günter Löffler. «Das würde auch erklären, warum Reisende
schon vor dem Unfall auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln
Geräusche gehört haben.» Die Welle selbst sei erst beim Anfahren des
Zuges gebrochen, weil dabei die höchste Belastung auftrete. Auch
Ingenieure der Deutschen Bahn hielten diese Erklärung für
wahrscheinlich, schreibt der «Spiegel».
(ddp)
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