11:37 | 01.08.2008
Riesige Ölteppiche in der Nordsee
Hamburg (ddp-nrd). Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beklagt
eine drastisch zunehmende Ölverschmutzung der Nordsee durch Ölfirmen.
Die Unternehmen verschmutzten die Nordsee in katastrophalem Ausmaß
beim täglichen Betrieb ihrer Ölplattformen, sagte Greenpeace-Biologe
Christian Bussau am Freitag in Hamburg nach der Auswertung eines
mehrtägigen Beobachtungsfluges entlang der dänischen, norwegischen
und englischen Küsten. Bei den 75 Förder- und Bohrplattformen, die
Ende Juni überflogen worden seien, hätten die Greenpeace-Experten
große Ölteppiche entdeckt.
Die eingeleiteten Ölmengen seien in den vergangenen Jahren um ein
Mehrfaches gestiegen, sagte Bussau. Hätten sie nach Angaben der
Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks (OSPAR) 1984
noch rund 1700 Tonnen betragen, seien es 1994 schon rund 6000 Tonnen
und 2005 sogar bereits etwa 13 000 Tonnen gewesen. Diese schleichende
Ölverseuchung werde von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen und von
der Politik hingenommen, kritisierte Bussau. Sie schädige die
Meeresumwelt so stark wie ein großes Tankerunglück.
Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser, wie
der Biologe erläuterte. Auf der Plattform werde das Wasser vom Öl
getrennt und als sogenanntes Produktionswasser ins Meer geleitet. Das
Abwasser dürfe maximal 40 Gramm Öl pro Kubikmeter Wasser enthalten.
Das Problem sei jedoch: Je länger die Lagerstätte ausgebeutet werde,
desto mehr Wasser enthalte das geförderte Öl und desto mehr mit Öl
verschmutztes Produktionswasser werde ins Meer geleitet.
Greenpeace fordert die Regierungen der Nordsee-Anrainerstaaten
auf, die Ölverschmutzung der Plattformen durch Produktionswasser
sofort zu stoppen. Die Anlagen müssten regelmäßig kontrolliert und
harte Strafen gegen Ölsünder verhängt werden. Ein Film des Überfluges
ist im Internet unter greenpeace.de bei Greenpeace TV zu sehen.
(ddp)
|