14:50 | 18.08.2009
RWE sagt Kohlendioxid den Kampf an
Bergheim (ddp). Deutschlands größter Stromerzeuger RWE hat die
bundesweit erste Kohlendioxid-Rauchgaswäsche gestartet. Eine
Pilotanlage ging am Dienstag im Braunkohlekraftwerk
Bergheim-Niederaußem bei Köln im Beisein von
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in Betrieb.
Die neun Millionen Euro teure Anlage kann bis zu 90 Prozent des
Kohlendioxids (CO2) aus den Rauchgasen filtern. Sie soll helfen,
technische Erfahrungen für spätere entsprechend ausgerüstete
Großanlagen zu sammeln. Die Abscheidung und spätere Einlagerung von
CO2 (kurz: CCS – Carbon Capture and Storage) gilt als
Schlüsseltechnologie für eine umweltfreundlichere
Braunkohleverstromung. Das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe
entstehende CO2 trägt maßgeblich zur weltweiten Klimaerwärmung bei.
Guttenberg sagte, mit dem Start der Testanlage werde ein
«wichtiges Kapitel Technologiegeschichte» geschrieben. Mit Hilfe von
CCS könne die mit heimischer Braunkohle gewonnene «sichere und
bezahlbare» Energie mit dem Klimaschutz verbunden werden. Die
Testanlage sei aber «kein Signal» gegen erneuerbare Energien. Doch
auch langfristig werde die Kohle wichtiger Energieträger bleiben.
Guttenberg forderte, zügig einen rechtlichen Rahmen für die
CCS-Technologie zu schaffen. Dies müsse nach der Bundestagswahl eine
der ersten Aufgaben der neuen Regierung sein. Im Juli war das
geplante CCS-Gesetz im Bundestag gescheitert, weil sich die
Fraktionen von CDU/CSU und SPD nicht auf einen einheitlichen Entwurf
verständigen konnten. Das Gesetz gilt als Voraussetzung dafür, dass
die CCS-Technik zur Marktreife entwickelt werden kann. Ab 2020 sollen
moderne Kraftwerke mit einer CO2-Wäsche ausgestattet sein und das
abgetrennte Gas langfristig gelagert werden.
RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann warnte vor einer «Dämonisierung»
der CCS-Technologie in der Öffentlichkeit. Das Verfahren sei nicht
nur für Kraftwerksbetreiber von Bedeutung, sondern auch für
Chemiewerke, Raffinerien, Hüttenwerke und Zementfabriken. Für den
Erfolg dieser Technologie brauche es aber einen «Gleichschritt von
Wirtschaft und Staat» und damit «ein gutes CCS-Gesetz». RWE plant in
Hürth bei Köln das weltweit erste Braunkohle-Großkraftwerk mit
CO2-Abscheidung. Es soll 2015 ans Netz gehen.
Rüttgers sagte, 90 Prozent des Stroms in NRW würden mit Braun- und
Steinkohle sowie Gas erzeugt. Daher seien hocheffiziente Kraftwerke,
die die alten Anlagen schrittweise ersetzten, der wichtigste Beitrag
für den Klimaschutz.
Vor dem Kraftwerk protestierten der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) und Bürgerinitiativen gegen die
Pilotanlage. Sie forderten einen Stopp der CCS-Technologie, die ein
«energiepolitischer Irrweg und ökologisches Feigenblatt für
Klimakiller» sei.
(ddp)
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