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SPD ruft ver.di im BVG-Streik zum Einlenken auf
Berlin (ddp-bln). Der Berliner SPD-Landes- und -Fraktionschef
Michael Müller hat die Gewerkschaft ver.di im Tarifstreit bei den
Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zum Einlenken aufgerufen. Die
Forderung der seit 2005 eingestellten Mitarbeiter nach sechs Prozent
mehr Gehalt sei nachvollziehbar, sagte Müller am Dienstag. Dagegen
machte er den sogenannten Altbeschäftigten keine Hoffnung auf
Lohnerhöhungen. ver.di-Landeschefin Susanne Stumpenhusen wies die
Äußerungen scharf zurück. Unterdessen nahm der Verkehr auf den
Straßen deutlich zu, weil viele Berliner auf das Auto umstiegen.
Müller sagte, die langjährig bei der BVG tätigen Busfahrer
verdienten 2800 Euro und hätten eine Beschäftigungsgarantie bis 2020.
Vor diesem Hintergrund werde es keine Lohnerhöhungen geben». Die
Gewerkschaftsführer sollten «zur Besinnung kommen» und sehen, was sie
dem Unternehmen mit ihrem Streik antäten, forderte der SPD-Politiker.
Die aktuelle Situation zeige, dass sich die Berliner an den
Notverkehr gewöhnten und ohne die BVG auskommen. Das könne
mittelfristig Arbeitsplätze gefährden, warnte Müller. Er verwies
darauf, dass das Land eine Arbeitsplatzgarantie für die
BVG-Beschäftigten ausgesprochen habe. Er sei davon ausgegangen, dass
es den Mitarbeitern wichtig sei, einen sicheren Arbeitsplatz zu
haben. Da müssten sie in Kauf nehmen, dass sie nicht jede
Gehaltsteigerung mitmachen könnten.
Stumpenhusen räumte ein, «natürlich ist es ein Wert geworden, wenn
man einen sicheren Arbeitsplatz hat». Daraus aber abzuleiten, dass
die Mitarbeiter «mit wenig Geld zufrieden sein» sollten, sei
«wirklich abenteuerlich». Die ver.di-Landeschefin kritisierte auch
die Forderung des Regierenden Bürgermeisters, Klaus Wowereit (SPD),
ver.di solle wie die Lokführergewerkschaft GDL Vernunft annehmen. Die
GDL habe elf Prozent Lohnsteigerung bekommen.
Am siebten Tag in Folge war der öffentliche Nahverkehr erneut
nahezu lahmgelegt. Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen blieben wieder
in den Depots. Viele Berliner stiegen aufs Auto oder Fahrrad um, wie
ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale sagte. «Es ist ein sehr
lebhafter Verkehr», betonte er. Es kam am Morgen zu kleineren
Unfällen und Staus. Besonders in der Innenstadt sowie auf der
Stadtautobahn A 100 ging es in beide Richtungen nur sehr langsam
voran.
Die BVG hat ihren Notverkehr mit Bussen privater Unternehmen
ausgeweitet. Statt wie bisher 100 Fahrzeuge sind den Angaben zufolge
seit Montag rund 130 im Einsatz. Sie fahren die wichtigsten Strecken
ab. Insbesondere beim Ersatzverkehr für die U-Bahn werde auf einigen
Strecken komplett, auf anderen teilweise ein Zehn-Minuten-Takt
angeboten. Das klappe ziemlich gut, auch wenn die Kunden manchmal
etwas länger warten müssten, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.
Die Fahrradstationen wittern mit zunehmender Streikdauer ein gutes
Geschäft. Sie bieten die Zweiräder an fünf zentralen Stationen,
darunter in der August-, Bergmann- und Friedrichstraße, an. Besitzer
von BVG-Monatskarten müssten nur die halbe Gebühr entrichten, teilte
ein Sprecher mit.
Die Gewerkschaft ver.di hatte angekündigt, den Arbeitskampf bei
der BVG nicht wie geplant ab Freitag auszusetzen. Der Streik soll
über den 14. März hinaus fortgesetzt werden. Ob es über die
Osterfeiertage eine Pause geben soll, ist den Angaben zufolge noch
unklar.
(ddp)
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