WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

15:43 | 27.05.2010
Starkes Wachstum im zweiten Quartal erwartet

Berlin (ddp). Wirtschaftsexperten und Bankenvolkswirte rechnen für das laufende zweite Quartal dieses Jahres mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum in Deutschland. Angesichts der Staatsschuldenkrise und dem Auslaufen der Konjunkturprogramme sehen die Experten allerdings große Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung. Unterdessen gehen die Bemühungen um Finanzmarktreformen als Konsequenz aus der weltweiten Finanzmarktkrise weiter. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) traf am Donnerstag in Berlin mit seinem US-Amtskollegen zusammen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet im laufenden zweiten Quartal mit einer Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung. «Wir erwarten für das zweite Quartal ein kräftiges Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,7 Prozent», sagte DIW-Konjunkturexperte Vladimir Kuzin. Ähnlich äußerte sich der Bundesverband deutscher Banken (BdB). «Im zweiten Quartal ist mit einem kräftigen Wachstumsschub zu rechnen», sagte der Geschäftsführende BdB-Vorstand Manfred Weber. Im ersten Quartal 2010 und im vierten Quartal 2009 war das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal jeweils um 0,2 Prozent gestiegen.

Die wesentlichen Wachstumstreiber liegen nach Angaben der DIW-Experten in der Industrie und in der Bauwirtschaft. So sei das produzierende Gewerbe um ordentliche 3,1 Prozent im ersten Quartal gewachsen. Die zunehmend positive Auftragslage in der Industrie spreche für eine Fortsetzung dieser Tendenz. Deutliche Zuwächse in den exportgetriebenen Schlüsselindustrien zeugten von einem Aufschwung, der sich zunehmend stabilisiere. Die Belebung in der Bauwirtschaft sei dagegen in erster Linie temporär und werde durch die günstigeren Witterungsbedingungen und die Konjunkturprogramme getrieben.

Wegen der Unsicherheit aufgrund der Staatsschuldenkrise werde die konjunkturelle Beschleunigung aber nur von kurzer Dauer sein, zumal auch die Weltwirtschaft wegen der auslaufenden Konjunkturprogramme im zweiten Halbjahr etwas an Schwung verlieren dürfte, warnte der BdB. Das DIW warnte, die realwirtschaftlichen Effekte der Euro-Krise ließen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum verlässlich beziffern. Sowohl BdB als auch DIW verwiesen zudem auf den schwachen privaten Konsum. Kurzarbeit und betrieblich vereinbarte Arbeitszeitverkürzungen dämpften hier die Entwicklung.

Unterdessen berieten Bundesfinanzminister Schäuble und sein US-Amtskollege Timothy Geithner über die künftige Finanzmarktregulierung. «Wir hatten ein intensives Gespräch», sagte Schäuble anschließend. Bei den Gesprächen gelte es, «unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Strukturen unserer Finanzsysteme besser herauszuarbeiten, wie wir gemeinsame Lösungen schaffen können, und da sind wir ein gutes Stück heute vorangekommen», sagte er. Geithner betonte, die USA hätten ein «gemeinsames Interesse» mit Deutschland bei Regulierungsfragen. Die Reform des Finanzsystems müsse weltweit ausgewogen sein, forderte er aber.

ddp


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