15:22 | 23.03.2009
Talfahrt der Konjunkturprognosen hält an
Essen (ddp). Die Wirtschaftsaussichten für Deutschland trüben sich
immer weiter ein. Mit dem Rheinisch-Westfälischen Institut für
Wirtschaftsforschung (RWI) und dem Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) haben am Montag erneut zwei
Forschungsinstitute ihre Prognosen teils kräftig revidiert. Das
pessimistischste Szenario zeichnet inzwischen die Commerzbank.
Während für 2010 die Wirtschaftsprognosen inzwischen einigermaßen
moderat ausfallen, wird die Krise weiter mit voller Wucht den
Arbeitsmarkt treffen.
Für das laufende Jahr rechnet das RWI mit einem Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent. Ohne die prognostizierten
Wirkungen durch das Konjunkturprogramm im zweiten Quartal 2009 wäre
die Rezession noch dramatischer, teilte das Institut mit. Ende
vergangenen Jahres war es noch von einem BIP-Rückgang von 2,0 Prozent
für 2009 ausgegangen. Im ersten Quartal 2009 sei das BIP gegenüber
dem Vorquartal um 2,1 Prozent und die Exporte um 7,3 Prozent
gesunken, hieß es vom RWI. Insgesamt zeigten die Prognosen, dass die
Finanzkrise stärker auf Deutschland durchgeschlagen habe, als auf
andere Länder des Euroraums. Für 2010 rechnen die Forscher mit einem
leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent.
Zugleich erwarten die Forscher im Jahresverlauf einen Anstieg der
Zahl der Arbeitslosen um 1,1 Millionen. Im Jahresschnitt hätten
demnach 2009 mehr als 3,7 Millionen Menschen keinen Job, 2010 sogar
4,6 Millionen. Die Inflationsrate dürfte nach Berechnungen der
Forscher im Jahresverlauf bei durchschnittlich 0,4 Prozent liegen.
Die Experten des IMK erwarten 2009 hingegen eine Schrumpfung des
BIP um 5,0 Prozent. «Die globale Wirtschaftsleistung befindet sich im
freien Fall», erklärte das Institut. Die deutsche Wirtschaft sei von
der Abwärtsspirale der Weltwirtschaftskrise besonders stark
betroffen, vor allem weil sie sich im vergangenen Jahrzehnt
ausgeprägt auf den Export konzentriert habe. Im Januar hatten die
Düsseldorfer Wirtschaftsforscher noch ein BIP-Minus von lediglich 2,4
Prozent vorausgesagt.
Die Commerzbank erwartet einem Zeitungsbericht zufolge für das
laufende Jahr einen BIP-Rückgang um bis zu sieben Prozent. Bislang
war das Finanzinstitut mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von
maximal vier Prozent ausgegangen. Grund für die deutliche Korrektur
der Prognose sei vor allem das schwächer als erwartet verlaufene
erste Quartal. Die Wirtschaft dürfte «gegenüber dem vierten Quartal
2008 nicht wie wir ursprünglich unterstellt haben um 1,5 Prozent,
sondern um schätzungsweise 3,5 Prozent geschrumpft sein», sagte
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der «Welt» (Montagausgabe).
Zudem könnte sich der Analyse zufolge bis Jahresende die Zahl der
Arbeitslosen auf knapp über vier Millionen erhöhen und im kommenden
sogar bis auf rund 4,75 Millionen steigen.
Der Bundesverband deutscher Banken teilte am Montag mit, er sehe
sich gezwungen, seine BIP-Prognose für 2009 zu überarbeiten. Bislang
erwarten die Experten eine Schrumpfung um rund 3,5 Prozent.
(ddp)
|