17:57 | 09.07.2009
Textilwirtschaft von der Krise unterschiedlich betroffen
Düsseldorf (ddp-nrw). Die Kauflaune der Verbraucher bei Bekleidung
zeigt sich von der Wirtschaftskrise bislang unbeeindruckt. «Wir haben
wie das Kaninchen auf die Schlange geschaut, aber die Krise ist nicht
gekommen», sagte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen
Textileinzelhandels (BTE), Jürgen Dax, am Donnerstag in Düsseldorf.
Mit einem leichten Umsatzminus von einem Prozent im ersten Halbjahr
stehe der Textileinzelhandel besser da als der Branchendurchschnitt.
Für das Gesamtjahr rechnet der BTE mit einem weitgehend stabilen
Umsatz.
Auch die Krisen und Pleiten der Kauf- und Textilhäuser Karstadt,
Quelle, Sinn&Leffers sowie Pohland, Wehmeyer und Hertie machen dem
Textileinzelhandel laut Dax nicht zu schaffen. Deren Probleme seien
Teil einer «notwendigen Marktbereinigung» in einem mit zu viel Ware
und Verkaufsfläche ausgestatteten Markt. Herzstück der Branche seien
dagegen die 30 000 kleinen und mittelständischen Unternehmen und
nicht die großen Häuser. Schwieriger sei es für die Betriebe aber
geworden, Kredite von den Banken zu bekommen.
Weniger zufrieden zeigt sich dagegen die deutsche
Bekleidungsindustrie, die sich wegen der Wirtschaftskrise in diesem
Jahr auf einen Umsatzrückgang von voraussichtlich 5,3 Prozent
einstellt. Grund für den Einbruch seien vor allem die sinkenden
Exporte nach West- und insbesondere Osteuropa, berichtete der
Präsident des Modeindustrieverbandes German Fashion, Klaus Brinkmann.
Viele Firmen sähen in der Krise aber auch eine Chance und versuchten,
neue Exportmärkte zu erschließen. Unterm Strich sieht Brinkmann die
deutschen Bekleidungshersteller derzeit immer noch besser aufgestellt
als ihre europäischen Wettbewerber.
Dax und Brinkmann äußerten sich anlässlich der bevorstehenden
internationalen Damenmode-Messe cpd, die zusammen mit der Wäschemesse
body look vom 26. bis 28. Juli in Düsseldorf stattfindet. Auch bei
der einstmals weltgrößten Modemesse, die bereits seit Jahren wegen
aufstrebender Konkurrenzveranstaltungen vor allem in Berlin mit
sinkenden Ausstellerzahlen zu kämpfen hat, ist die Krise zu spüren.
So wollen bei der Juli-Veranstaltung der zweimal jährlich
stattfindenden cpd bislang über 900 Aussteller die Kollektionen für
die Damenmode der Saison Frühjahr und Sommer 2010 vorstellen. Das
sind rund 160 weniger als vor einem halben Jahr. Das cpd-Management
führt dies auch auf Budget-Restriktionen bei den Ausstellern zurück.
Die cpd will sich nun mit einem neuen Konzept und der Konzentration
auf Premium-Anbieter moderner präsentieren und stärker dem
Informationsbedürfnis des Fachhandels nachkommen, wie es hieß.
«Der cpd-Standort Düsseldorf wird durch die stärkere Konkurrenz in
Berlin nicht in Frage gestellt», betonte der Geschäftsführer des
cpd-Veranstalters Igedo, Philipp Kronen. «Wir werden für die Branche
ein zuverlässiger Trendscout sein», fügte er hinzu. Die
Geschäftsführung der Messe Düsseldorf habe «grünes Licht» dafür
gegeben, die cpd in Düsseldorf weiter zu entwickeln.
(ddp)
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