WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

12:40 | 25.03.2008
Turbinen «laut wie ein Düsenjet»

Groß Köris (ddp-lbg). In Groß Köris bei Königs Wusterhausen und in
den umliegenden Gemeinden wächst der Widerstand gegen den geplanten
Bau einer Gasverdichtungsstation. 1200 Unterschriften hat die
Bürgerinitiative «Keine Erdgasverdichteranlage in Groß Köris und im
Naturpark Dahme-Heideseen» nach eigenen Angaben bereits gesammelt.
Die Wingas AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der russischen Gazprom
und Wintershall/BASF, plant den Bau der größten deutschen
Erdgastrasse durch den Ort und den angrenzenden Naturpark
Dahme-Heideseen.

«Die Errichtung einer solch riesigen Industrieanlage inmitten
eines intakten Biotopverbundes ist unverantwortlich», sagt Wolfgang
Georgsdorf, Sprecher der Bürgerinitiative. Zudem würde die
Lärmbelästigung für die Anwohner unerträglich sein. Die Station soll
auf einer Fläche von rund vier Hektar erbaut werden und Erdgas aus
der geplanten Ostsee-Pipeline (OPAL) für die Weiterleitung ins
sächsische Olbernhau komprimieren.

Die Leistung der Turbinen betrage 30 Megawatt, heißt es in der
Konzeption des Unternehmens. «Sie sind so laut wie ein Düsenjet»,
zieht Georgsdorf einen Vergleich zur entstehenden Lärmemission, die
täglich rund um die Uhr zu hören wäre. «Die Anlage könnte ein
Dammbruch für weitere industrielle Großanlagen wie beispielsweise ein
Gaskraftwerk werden», vermutet Georgsdorf, der damit auch die
Grundlage für den Tourismus bedroht sieht. So seien bereits nach
Bekanntgabe des geplanten Baus der Verdichterstation Investoren
abgesprungen. «Die Lärmbelästigung wäre einfach zu groß», sagt er.

Das Raumordnungsverfahren für den 270 Kilometer langen
brandenburgischen Leitungsteil, bei dem die Gemeinden Einfluss auf
den geplanten Streckenverlauf nehmen können, ist am 25. Januar von
der Raumordnungsbehörde ausgesetzt worden. Der Betreiber sollte
Verbesserungsvorschläge einreichen und einen alternativen Standort
prüfen. Doch dieser scheint für die Firma nicht infrage zu kommen.

«Unter der Berücksichtigung raumordnerischer, technischer und
umweltbedingter Gesichtspunkte hat sich Groß Köris als bester
Standort für eine Verdichterstation erwiesen», sagt Wingas-Sprecher
Nicholas Neu und verteidigt das Vorhaben des Unternehmens. Die Anlage
sei für den Weitertransport des Erdgases notwendig. «Groß Köris ist
ein bedeutender Energieknotenpunkt, von dem der Großraum
Berlin-Brandenburg maßgeblich versorgt wird», führt der Sprecher an.
Ob sich die Raumordnungsbehörde der Argumentation anschließt, ist
offen.

Wichtig für die Entscheidung dürfte die Stellungnahme des
Umweltministeriums sein. «Grundsätzlich sind geschützte Gebiete aus
Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege keine geeigneten
Standorte für Industrieansiedlungen», sagt Peter Jansen vom
Naturschutz-Referat des Umweltministeriums, das sich in dem Verfahren
als oberste Naturschutzbehörde um die Belange des Naturschutzes und
der Landschaftspflege kümmert. «Es kann nicht ausgeschlossen werden,
dass der Bau einer Verdichterstation am geplanten Standort
Auswirkungen auf die Natur hat.»

Dennoch vermeidet das Umweltministerium eine völlig ablehnende
Haltung zu dem Projekt. «Es liegt noch keine konkrete Projektplanung
vor, die abschließend eine Bewertung der Natur- und
Umweltverträglichkeit der Erdgasverdichterstation zulässt», betont
Jansen. Einen Konflikt mit dem für das Raumordnungsverfahren
zuständige Wirtschaftsministerium sehe er nicht.

Gegen die Installierung des Gasdruckerhöhungswerkes spricht nach
Angaben der Bürgerinitiative auch der Landesentwicklungsplan, der den
Naturpark Dahme-Heideseen für die Zukunft als Naherholungs- und
Tourismusgebiet vorsieht. Georgsdorf unterstreicht: «Eine
industrielle Großanlage verstößt gegen diese Richtlinien.»

(ddp)


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