WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

12:02 | 08.11.2010
Union will die maritime Wirtschaft fördern

Berlin (dapd). Die Unionsfraktion im Bundestag will mit neuen Instrumenten die maritime Wirtschaft in Deutschland stärken. Das erklärte der CDU-Abgeordnete Ingbert Liebing am Montag in Berlin zum Auftakt einer Tagung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über “Maritime Wirtschaft – Eine nationale Chance”. Dort wurden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Unions-Fraktionschef Volker Kauder (beide CDU) erwartet. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte dagegen kürzlich mitgeteilt, die zusätzliche Werftenhilfe aus dem Konjunkturpaket werde zum Jahresende gekappt. Sonderregeln für bestimmte Branchen seien nicht vorgesehen.

Anfang Oktober hatten die fünf Küstenländer, die IG Metall und der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) Brüderle gebeten, die Hilfe für die Branche um ein Jahr zu verlängern. Liebing erklärte nun, seine Fraktion nehme die Schifffahrtskrise in ihrem ganzen Ausmaß und die daraus resultierenden Probleme ernst, stehe als Ansprechpartner “in dieser Zeit existenzieller Bedrohung” an der Seite der Firmen. Ziel sei es, eine starke, zukunftsfähige maritime Wirtschaft zu erhalten und gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Mit etwa 400.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 85 Milliarden Euro im Jahr sei die Branche eine Schlüsselindustrie für Deutschland.

Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung im Schiffbau komme von Zulieferern, deren Unternehmen im südlichen Teil Deutschlands ansässig seien, sagte Liebing. Die Waren aus dem Süden würden über die Häfen im Norden exportiert. Im Jahr 2009 seien 40 Prozent des Gesamtumschlags des Hafens Hamburg mit Gütern aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen realisiert worden. Bei Stau in den Verkehrsströmen zu den Häfen und fehlenden Hinterland-Anbindungen stocke auch der gesamte Export.

Der Fraktionsbeauftragte für die maritime Wirtschaft, Eckhardt Rehberg, hatte zuvor erklärt, die Branche sei von besonderer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und ein Eckpfeiler der führenden Position Deutschlands im Export. Rund 95 Prozent des interkontinentalen Warenaustauschs und 90 Prozent des europäischen Außenhandels würden über den Seeweg abgewickelt. Außerdem würden mehr als 40 Prozent des Umsatzes in der maritimen Wirtschaft in küstenfernen Bundesländern erwirtschaftet, allein 9 Prozent in Bayern und 18 Prozent in Baden-Württemberg, erklärte Rehberg.

Deutschland verfüge über die drittgrößte Handelsflotte der Welt. Bei Containerschiffen belege das Land sogar Platz eins. Beim Spezialschiffbau sei Deutschland Marktführer. Deutschland sei auch der führende internationale Schiffsfinanzierungsstandort. Damit das auch in Zukunft so bleibe, müsse die maritime Wirtschaft als eine strategische Branche gestärkt werden.

dapd


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