16:42 | 22.04.2010
Volkswagen setzt auf Zukunftsmärkte
Hamburg (ddp-nrd). Angesichts des auf absehbare Zeit schwachen
Wachstums in Westeuropa setzt Europas größter Autokonzern Volkswagen
auf Boomregionen wie China oder Indien. In China dürften die
Autoverkäufe bis 2018 um rund drei Viertel zulegen, sagte der
Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Donnerstag auf der
Hauptversammlung in Hamburg. «Der indische Markt dürfte sein Volumen
im gleichen Zeitraum mehr als verdoppeln», fügte er hinzu. Auch
Südamerika und Osteuropa böten enorme Chancen.
In all diesen Märkten wollten die Wolfsburger stärker wachsen als
die Konkurrenz, sagte Winterkorn. In Indien etwa setzt der
Autokonzern dabei auf die Zusammenarbeit mit dem japanischen
Kleinwagenbauer Suzuki. Mittelfristig wollten die Wolfsburger in
China mehr als zwei Millionen Neuwagen im Jahr verkaufen, gab
Winterkorn als Ziel vor. In Brasilien sollen es bis 2014 rund eine
Million Konzernfahrzeuge sein.
Auf seinem Weg zur weltweiten Nummer eins hat sich Volkswagen
ehrgeizige Ziele gesetzt. Mittelfristig will der Konzern jährlich
rund acht Millionen Neuwagen und Nutzfahrzeuge seiner neun Marken von
Audi bis zum Lkw-Hersteller Scania verkaufen. Das wären 27 Prozent
mehr als im vergangenen Jahr. Bis zum Jahr 2018 sollen mehr als zehn
Millionen Autos an die Kunden ausgeliefert werden. Bis dahin wollen
die Deutschen den japanischen Rivalen Toyota an der Weltspitze
ablösen, der derzeit unter Qualitätsproblemen leidet.
Angesichts der noch immer schwächelnden Lastwagenverkäufe drängt
Großaktionär Volkswagen die Lkw-Bauer MAN und Scania zur Kooperation.
«Die kurzfristig vorhandenen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit im
Bereich Entwicklung und bei Komponenten werden wir Stück für Stück
realisieren», sagte Winterkorn. Mittelfristig ergäben sich durch eine
enge Kooperation «erhebliche Synergien» für alle Partner, ergänzte
er.
Die Synergien könnten erzielt werden, ohne die Eigentümerstruktur
zu verändern, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und
Volkswagen-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) am Rande der
Hauptversammlung.Nachdem das MAN-Management ausgetauscht wurde und
sich Volkswagen zusätzliches Geld beschafft hat, wurde zuletzt
mehrfach spekuliert, dass VW seine Beteiligung an MAN ausbauen
könnte, um die lange angestrebte Lastwagen-Allianz mit Scania unter
dem Dach des Wolfsburger DAX-Konzerns zu schmieden.
VW ist mit knapp 30 Prozent größter Aktionär von MAN und hält bei
Scania die Mehrheit. Für beide Anteile zusammen hat Volkswagen 8,5
Milliarden Euro bezahlt, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.
Der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen und MAN, Porsche-Enkel
Ferdinand Piech, hatte sich zuletzt optimistisch hinsichtlich einer
Nutzfahrzeug-Allianz von MAN, VW und Scania gezeigt. Alle beteiligten
Konzerne wollten eine Kooperation, hatte er Anfang April vor den
MAN-Aktionären gesagt. Es gebe bereits entsprechende Pläne. Eine
engere Verbindung ermögliche Synergien von bis zu einer Milliarde
Euro. Piech hatte versprochen, sich nun wieder verstärkt dem
Lkw-Projekt zu widmen, nachdem der Streit zwischen Volkswagen und
Porsche beendet ist.
(ddp)
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