WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

16:13 | 03.02.2009
Warnstreiks legen öffentlichen Nahverkehr weitgehend lahm

München (ddp-bay). Die Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr
haben am Dienstag in elf bayerischen Städten zu teils erheblichen
Einschränkungen geführt. Die Gewerkschaft ver.di zeigte sich mit dem
Verlauf der Streikmaßnahmen zufrieden. ver.di-Sprecher Hans Sterr
sagte, der Streik in München laufe «genau so, wie wir es uns
gewünscht haben».

Aufgrund der frühzeitigen und ausführlichen Information haben sich
die Fahrgäste offenbar sehr gut auf die Ausfälle der öffentlichen
Verkehrsmittel eingestellt. Viele Menschen seien zu Fuß gegangen oder
mit dem Rad gefahren, sagte Sterr. Einzelne Fußgänger seien auch
spontan von Autofahrern mitgenommen worden. Zur großen Freude der
Gewerkschaft zeigten viele Fahrgäste Verständnis für das Anliegen der
Streikenden.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte mit Betriebsbeginn
einen Bus-Notfahrplan in Betrieb genommen. Mit einsetzendem
Berufsverkehr stieg die Nachfrage kontinuierlich an. Auf besonders
frequentierten Linien mussten Fahrgäste in mehreren Fällen wegen
Überfüllung der Fahrzeuge zurückgelassen werden. Viele Busse standen
wegen des hohen Verkehrsaufkommens im Stau, die Haltestellen konnten
daher nicht regelmäßig bedient werden.

Der Vorsitzende der MVG-Geschäftsführung, Herbert König, sagte:
«Die Inanspruchnahme des Notnetzes ist gut und zeigt, dass diese
Hilfsmaßnahme richtig war. Wir haben damit getan, was wir konnten, um
die Streikfolgen für die Fahrgäste zu mindern.» Die MVG-Hotline war
zeitweise überlastet. Leider hätten viele Anrufer die Hotline
genutzt, um ihrem Ärger über den Streik Luft zu machen, sagte König.
Dies sei zwar verständlich, blockiere jedoch die Leitungen, für jene,
die Auskünfte benötigten.

In Augsburg hingegen blieb das befürchtete Verkehrschaos aus.
Polizeisprecher Manfred Gottschalck sagte, die Vorrangschaltungen für
Straßenbahnen und Busse seien wegen des Streiks außer Betrieb gesetzt
worden. Dadurch seien die Grünphasen für die Autofahrer länger
geworden, was den Verkehr entlastet hätte.

In den kleineren Städten Bayerns traf der Warnstreik die
kommunalen Busnetze. So streikten die Busfahrer in Landshut von 4.30
bis 16.30 Uhr. Zahlreiche Linien mussten daher ausfallen. Auch in
Passau mussten 80 bis 90 Prozent der Fahrten gestrichen werden. In
Bamberg wurden zumindest einige Linien von privaten Busunternehmen
bedient.

Anlass für den Warnstreik war die zweite Verhandlungsrunde zum
Tarifvertrag Nahverkehr Bayern (TVN) am Donnerstag. ver.di fordert
9,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 250 Euro pro
Monat. Der Kommunale Arbeitgeberverband bietet 4,5 Prozent mehr Lohn.

(ddp)


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