WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

14:06 | 04.06.2009
Wirtschaftsweiser sieht Chancen für Rheinland-Pfalz nach der Krise

Mainz (ddp-rps). Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard sieht für
Rheinland-Pfalz gute Chancen, gestärkt aus der Wirtschaftskrise
hervorzugehen. Die Krise habe das Bundesland besonders stark
getroffen, da es stark vom Export abhängig sei, sagte Wiegard am
Donnerstag auf dem Forum Außenwirtschaft Rheinland-Pfalz in Mainz.
Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) legte den
rheinland-pfälzischen Unternehmern nahe, zukünftig auf Branchen zu
setzen, die sich auch in der Krise stabil gehalten hätten. Peter
Adrian, Präsident der IHK Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz,
forderte eine stärkere Förderung insbesondere des Mittelstandes.

Nach Ende der Krise werde der Welthandel insgesamt schwach
bleiben, doch die Exportnation Deutschland und speziell
Rheinland-Pfalz würden sich «ein größeres Stück vom kleineren Kuchen
sichern» können, prognostizierte Wiegard. Der Grund dafür sei die
niedrige Inflation, die Deutschland auch weiterhin als
Außenhandelspartner attraktiv mache.

Im Moment sei Rheinland-Pfalz mit einer Exportquote von 49,7
Prozent jedoch von der Krise so stark betroffen wie kaum ein anderes
Bundesland. Die Branchen, in denen Rheinland-Pfalz besonders
exportstark sei – Chemie, Metall, Maschinenbau und Autoindustrie –
würden mit am meisten unter der Krise leiden. «Die Auftragseingänge
bei der Industrie befinden sich im freien Fall», sagte Wiegard. Erst
in den vergangenen Monaten sei eine leichte Stabilisierung
festzustellen gewesen.

Die gegenwärtige Erholung in der Autoindustrie sei allein der
Abwrackprämie zu verdanken. «Die Rechnung dafür wird uns nächstes
Jahr nachgereicht», prophezeite Wiegard. Nach einem voraussichtlichen
Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes von bis zu sieben
Prozent sei nach Schätzungen 2010 eine Stagnation zu erwarten. Die
Konjunkturpakete und Bürgschaften der Bundesregierung seien richtig
gewesen, betonte Wiegard. Er sei überdies auch «froh, dass die große
Koalition dafür gestimmt hat, die Schuldenbremse im Grundgesetz zu
verankern».

Wirtschaftsminister Hering forderte die rheinland-pfälzischen
Unternehmer auf, vermehrt auf Branchen zu setzen, die auch in der
Krise nicht geschrumpft seien, wie zum Beispiel Umwelt- und
Medizintechnik. «Rheinland-Pfalz muss in der aktuellen Krise auf
seine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Energieeffizienz, seine hohen
Standards bei Forschung und Entwicklung und seine Fachkräfte setzen»,
sagte Hering.

Gerade der Mittelstand habe in den vergangenen zehn Jahren das
Exportwachstum im Land angekurbelt: «Es sind viele Weltmarktführer in
Nischen dabei», sagte Hering. Er verwies auf die Möglichkeiten der
Außenwirtschaftsförderung durch das Land, etwa durch Fördermittel
oder die Vernetzung der Außenhandelskammern.

«In einer Phase der konjunkturellen Abkühlung und eines
Exportrückgangs ist es umso wichtiger, die Exportfähigkeit der
rheinland-pfälzischen Wirtschaft zu stärken», sagte IHK-Präsident
Adrian. Er forderte eine Senkung der Einkommensteuer und die
Erleichterung von Zuwanderung von ausländischen Forschern und
Spezialisten. Bei der Erschließung neuer Märkte solle das Augenmerk
der Unternehmer besonders auf den EU-Ländern, in die schon jetzt etwa
60 Prozent der rheinland-pfälzischen Exporte gingen, liegen.

(ddp)


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