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Wo der Genmais die Bienen vertreibt
Kaisheim (ddp). Karl-Heinz Bablok kann es nicht fassen. Der Imker
aus der kleinen schwäbischen Gemeinde Kaisheim muss sich vermutlich
gemeinsam mit seinen Bienen auf ein Pendlerleben einstellen – so
jedenfalls sieht es ein Urteil des Augsburger Verwaltungsgerichts
vor. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Bienen Pollen
vom nahegelegenen Maisfeld sammeln, dessen Pflanzen gentechnisch
verändert sind.
Mehrere Imker in der Umgebung hätten ihr Geschäft bereits
aufgegeben, sagt Bablok. Anderen seien ganze Bienenvölker
weggestorben. «Ob es einen Zusammenhang mit den Genfeldern gibt, kann
ich nicht sagen, ich bin schließlich kein Wissenschaftler», räumt der
Imker ein. Eines ist jedoch sicher: Bei seinen Bienen wurden vier
Prozent gentechnisch veränderter Pollen gefunden – in den Handel darf
er seinen Honig damit nicht mehr bringen, schließlich ist die in
seinem Umfeld angebaute Genmaissorte «MON 810» von der EU nicht für
den menschlichen Verzehr zugelassen. Wer trotzdem Lebensmittel in den
Umlauf bringe, die Spuren der Maissorte enthielten, müsse mit
empfindlichen Strafen rechnen, sagt Bablok. «Bis zu drei Jahre Haft
sind möglich.»
Dieses Risiko wolle selbstverständlich auch der Handel nicht
eingehen, sagt Manfred Hederer, der Präsident des Deutschen Berufs-
und Erwerbsimkerbundes (DBIB). Große Handelsketten verlangten daher
von den Imkern eine Unterschrift, dass ihr Produkt gentechnikfrei
sei. Verweigerten die Bienenzüchter die Unterzeichnung, würden sie
ihren Honig nicht los.
Um nicht in die Bredouille zu kommen und die Reinheit seines
Honigs gewährleisten zu können, muss Bablok seine Bienen während der
Blütezeit des Mais´ zwischen Juli und September in ausreichender
Entfernung der Felder aufstellen. Mindestens fünf, besser zehn
Kilometer müssten es sein, sagt Hederer. Denn das sei der Radius, in
dem Bienen normalerweise nach Futter suchten.
Für Bablok, der einen Stellplatz in rund zehn Kilometern
Entfernung gefunden hat, bedeutet der vorübergehende Umzug hohe
finanzielle Belastungen. «Unter anderem brauche ich für meine Völker
neue Behausungen, die draußen auf freier Fläche stehen können», sagt
der Imker. Jede dieser sogenannten «Beuten» koste rund 100 Euro, 17
Völker besitzt Bablok derzeit. Dazu kämen die Kosten für den
Fahrtweg, denn bis zu viermal wöchentlich müsse er sich um seine
Bienen und den Honig kümmern, sagt der Schwabe.
Für die Gentechnikexpertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND), Heike Moldenhauer, ist die Abwanderung der Imker
jedoch die einzige Möglichkeit, ihren Honig reinzuhalten. Allerdings
sollten sie ihre Abwanderungspläne stärker als «Druckmittel» nutzen,
rät die BUND-Aktivistin. «Wenn die Bienen nicht mehr zur Bestäubung
zur Verfügung stehen, gibt es zum Beispiel kein Obst und kein
Getreide mehr.» Spätestens dann könnten die Imker auf mächtige
Unterstützung aus Landwirtschaft und Politik hoffen.
Bis es vielleicht einmal so weit ist, kann Blabok seine Bienen
jedoch nur vor den gentechnisch veränderten Pollen in Sicherheit
bringen. Ein Leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Maispflanzen
sei einfach nicht möglich. «Ich müsste bei jedem meiner Honigtöpfe
nachweisen, dass er nicht mit den Gen-Pollen verunreinigt ist», sagt
er. Eine entsprechende Untersuchung koste für jeden Zehn-Kilo-Topf
rund 300 Euro. Bei derzeit 17 Bienenvölkern, die jeweils rund 30
Kilogramm Honig pro Jahr produzierten, bedeutete das Kosten von 15
300 Euro. Und das könne er sich nicht leisten, sagt Bablok.
Eine kleine Hoffnung, dass er auch künftig mit den Bienen in der
vertrauten Umgebung bleiben kann, hat der Imker jedoch noch: In einem
Eilverfahren im vergangenen Jahr hatten die Richter ihm Recht gegeben
und die Landwirtschaftsverwaltung des Freistaates Bayern als
Betreiberin des Maisanbaus aufgefordert, dafür zu sorgen, dass seine
Bienen keine gentechnisch veränderten Pollen sammeln können.
Vielleicht, hofft Bablok, sieht das ein Gericht in nächster Instanz
ähnlich.
(ddp)
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