WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

14:29 | 21.07.2010
Zahnriemen statt Fahrradkette

Magdeburg (ddp). Noch ohne Räder hängt das schwarz lackierte Rennrad am Montageständer. Als Blickfang für den Stand des Magdeburger Unternehmens Schindelhauer Bikes auf der Branchenmesse Bike-Expo in München soll es mit speziellen Felgen ausgestattet werden. Auf die Montage einer Fahrradkette wird hingegen verzichtet. Wie alle Modelle dieser Marke erhält es stattdessen einen Zahnriemen.

Die vier Unternehmensgründer aus Magdeburg hatten sich nach ihrem Design-, BWL- und Maschinenbaustudium mit ihrer Fahrradfirma selbstständig gemacht. An den ursprünglichen Plan, einen puristischen Roadster zu entwickeln, erinnert heute nur noch das Modell eines schwarz-weißen Sportwagens im Maßstab 1:4 im Büro der Firma in einem Magdeburger Hinterhof. Das Projekt erwies sich am Ende als zu teuer. Stattdessen stiegen die Firmengründer aufs Fahrrad um.

Die Idee für den Zahnriemenantrieb habe er schon länger mit sich herumgetragen, «seitdem ich im Studium gehört habe, dass es gut funktioniert», sagt Jörg Schindelhauer. Nachdem in der Firma zunächst Spezialaufbauten nach Kundenwunsch gefertigt wurden, begannen die vier Jungunternehmer im Frühjahr 2009 mit der Serienproduktion.

Ab Donnerstag präsentiert sich das Unternehmen auf der Bike-Expo in München. Der Messeauftritt soll auch dazu genutzt werden, für die Vorteile des ungewohnten Antriebssystems zu werben. «Viele Endkunden kennen das noch nicht», sagt Geschäftsführer Martin Schellhase.

Obwohl einige Hersteller Zahnriemenfahrräder führten, seien diese nach wie vor ein Nischenprodukt. Dabei laufe der Riemen geräuschlos, erreiche einen höheren Wirkungsgrad und halte länger als herkömmliche Fahrradketten. Dadurch seien die Räder praktisch wartungsfrei, betont Schellhase. Natürlich sei ein Fahrrad mit Kettenantrieb weitaus günstiger, räumt er ein. Eine Abkehr vom Zahnriemen stehe aber für ihre Firma nicht zur Debatte. «Wir glauben wirklich daran», fügt er hinzu.

Besonders stolz sind die Fahrradentwickler, die bereits mehrere Design- und Unternehmenspreise gewannen, auf ihr patentiertes Bauteil zum bequemen Montieren und Nachspannen der Zahnriemen, das unauffällig in den Rahmen eingearbeitet ist.

Bisher bietet Schindelhauer Bikes fünf Herren- und Damenräder an. Neue Modelle seien bereits geplant. Ohne auf das puristische Design zu verzichten, sollen die Räder «ein bisschen alltagstauglicher werden», sagt Schindelhauer. Wer es bequemer möge, könne sein Rad künftig mit Gepäckträger, Schutzblechen oder Lichtanlage ausrüsten lassen.

Zum Image der Marke gehöre, möglichst viel in Deutschland herstellen zu lassen. Zwar werde der selbst entworfene Rahmen der Fahrräder in Fernost gefertigt, wo die gesamte Branche aus Kostengründen fertigen lasse. Die Produktion und die Endkontrolle erfolgten aber in Zeitz, hebt Schindelhauer hervor.

19 deutsche Händler haben die Fahrräder der Magdeburger den Firmenchefs zufolge bereits im Angebot. Darüber hinaus werden sie in der Schweiz, in Österreich, Luxemburg und Italien vertrieben. Auch den US-Markt hat das Quartett im Visier. Durch das gestiegene Umweltbewusstsein erhofft sich Schindelhauer auch dort eine erhöhte Nachfrage nach hochwertigen Fahrrädern.

An den Erfolg innovativer Nischenprodukte glaubt auch der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), Siegfried Neuberger. Schon seit Jahren sei in der Branche die Nachfrage nach individuellen Fahrrädern hoch. Eine Reihe kleinerer Fahrradschmieden habe sich etablieren können. Auch die Renaissance des Zahnriemenfahrrads hält Neuberger für möglich. Mit ihrem hohen Wirkungsgrad und ihrer Festigkeit seien die neuen Riemen eine ernsthafte Alternative zur Fahrradkette.

ddp


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