WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

17:32 | 11.03.2010
Zukunft des Bahn-Fernverkehrs in Sachsen ungewiss

Leipzig/Dresden (ddp-lsc). Die Zukunft des Bahn-Fernverkehrs in
Sachsen ist ungewiss. Laut einem Bericht der «Leipziger Volkszeitung»
sollen die ICE-Züge zum Fahrplanwechsel im Dezember auf den Strecken
Frankfurt/Main-Leipzig-Dresden und Berlin-Leipzig-München nicht mehr
im Stundentakt verkehren. Grund seien technische Probleme bei der
Schnellzugflotte.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn aus Dresden
vermutet, dass mit der Fertigstellung der Schnelltrasse durch den
Thüringer Wald 2017 Leipzig möglicherweise weitgehend vom Fernverkehr
Berlin-München abgekoppelt wird. Eine Bahn-Sprecherin bestätigte am
Donnerstag lediglich, dass das Unternehmen derzeit Gespräche über ein
neues Fahrplankonzept führt. Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP)
sagte, das Fernverkehrsangebot der Bahn sei schon jetzt nicht
zufriedenstellend und die derzeitigen Überlegungen deuteten auf
weitere Verschlechterungen hin. Man sei in intensiven Verhandlungen
mit der Bahn.

Zurzeit verkehren die ICE der Deutschen Bahn sowohl auf der
Strecke Berlin-Leipzig-München wie auch Dresden-Leipzig-Frankfurt am
Main stündlich. Laut Zeitungsbericht soll die ICE-Direktverbindung
zwischen Berlin, Leipzig und München ab Jahresende nur noch alle zwei
Stunden befahren werden. Wegfallende Verbindungen sollten durch
Umsteigemöglichkeiten in Naumburg (Sachsen-Anhalt) ersetzt werden.
Auf der Trasse von Frankfurt am Main nach Dresden sollen die ICE-Züge
dann im wechselnden 40- und 80-Minutentakt fahren. Zudem sollen
Stopps in Riesa und Dresden-Neustadt wegfallen.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) forderte die Deutsche
Bahn auf, ihre Pläne zu überdenken. «Sachsen muss angemessen an das
deutsche Schienennetz angeschlossen sein», betonte er in Dresden.
Derartige Einschnitte in die Bahnanbindung des Freistaates seien
inakzeptabel. Es dürfe nicht sein, dass der Freistaat «zum
Abstellgleis» wird, sagte Tillich.

Der Grünen-Politiker Stephan Kühn sagte, nachdem bereits Chemnitz
vom Fernverkehr der Bahn abgeschnitten sei, sollten nun offenbar auch
Leipzig und Dresden abgebunden werden. Dies hätte verheerende Folgen,
die Kunden würden aufs Auto umsteigen. Zudem sei die
Streckenverlagerung ein Vorgeschmack auf die Fertigstellung der
Schnelltrasse durch den Thüringer Wald. Spätestens ab 2017 solle dann
offenbar Leipzig endgültig zugunsten von Halle vom ICE-Verkehr
abgebunden werden. Es sei jetzt Aufgabe von Verkehrsminister Sven
Morlok (FDP), sich für einen weiter attraktiven Fernverkehr in
Sachsen einzusetzen, forderte Kühn.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Mario
Pecher, sagte, die CDU/FDP-Koalition habe es in kürzester Zeit
geschafft, «den Bahnstandort Sachsen vollkommen abzukoppeln», die
angeblich guten Kontakte zum Ostbeauftragten Thomas de Maizière (CDU)
oder zum Staatssekretär im Bundesbauministerium, Jan Mücke (FDP),
hätten offenbar nichts gebracht. Vor dem Hintergrund eines
ausgedünnten Fernverkehrs steh nun auch in Frage, ob der Leipziger
City-Tunnel jemals in den Fernverkehr integriert werde.

Die CDU im Landtag sprach von einem Affront gegen die Messestadt
Leipzig. Die Bahn ignoriere offenbar die wirtschaftliche Entwicklung
der Stadt, nur um ihre Fahrpläne einzuhalten. Verhalte sich die Bahn
beim City-Tunnel ähnlich unflexibel, dann werde das Projekt seine
gewünschte Wirkung für einen leistungsfähigen Nord-Süd-Verkehr nicht
entfalten können.

(ddp)


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