13:25 | 05.04.2009
Zukunft von Opel weiter ungewiss
Berlin (ddp-rps). Die Zukunft des traditionsreichen deutschen
Autohersteller Opel ist weiter ungewiss. Hinter den Kulissen laufen
derzeit allerdings Gespräche mit möglichen Interessenten für den
Konzern. «Wir reden darüber mit Interessenten aus der
Private-Equity-Branche und mit Staatsfonds beispielsweise», sagte der
Europa-Chef des US-Mutterkonzerns General Motors (GM), Carl-Peter
Forster, dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) umwirbt einem Medienbericht
zufolge Scheichs aus Abu Dhabi als mögliche Investoren. Die
Verhandlungen dürften sich allerdings immer schwieriger gestalten, da
einem Magazin zufolge sämtliche Vermögenswerte von Opel verpfändet
sind.
Neben den Opel-Patenten, die als Sicherheiten für Milliardenhilfen
an die US-Regierung abgetreten wurden, habe der US-Mutterkonzern GM
alle Opel-Vermögenswerte an US-Banken verpfändet. Das bestätigte ein
Mitglied der Bundesregierung dem Nachrichtenmagazin «Focus». Der
Autobauer besitze keinerlei Vermögenswerte. «Opel ist nur eine
Hülle.» GM habe darauf auch keinen Zugriff mehr. Die ohnehin
schwierige Investorensuche gerate für die große Koalition zur
«Mission impossible», sagte der Regierungsvertreter dem Blatt weiter.
Der Plan, die GM-Tochter aus dem globalen Verbund herauszulösen,
wird «Focus» zufolge komplizierter und vermutlich auch teurer als
gedacht. Dem einst größten Fahrzeughersteller der Welt droht die
Insolvenz. GM habe alle Opel-Standorte als Sicherheit für Kredite,
die der Konzern zum Überleben braucht, an Banken verpfändet.
Betroffen seien die vier deutschen Fabriken in Rüsselsheim, Bochum,
Eisenach und Kaiserslautern, aber auch die Werke in anderen
europäischen Ländern.
Unterdessen reiste Rüttgers bei der Suche nach Investoren nach Abu
Dhabi. Bei einem ersten Sondierungsgespräch mit einem hohen Mitglied
der Königsfamilie wurde einem Bericht der «Westdeutschen Allgemeinen
Zeitung» (Samstagausgabe) zufolge ein mögliches finanzielles
Engagement erörtert. Ein Sprecher der Landesregierung bestätigte der
Zeitung das Treffen. Weitere Gespräche auf Arbeitsebene mit dem
Emirat seien vereinbart worden.
In einer Insolvenz der US-Mutter GM sieht GM-Europa-Chef Forster
indes keine Gefahr für Opel. «Unsere Produktion und den Verkauf von
Autos in Europa würde es nicht betreffen», sagte er dem «Spiegel».
Bei einem sogenannten Verfahren nach Chapter 11 in den USA müssten
die Gläubiger stärker verzichten, als sie bislang angeboten hätten.
Auch die Gewerkschaften in den USA müssten dem Unternehmen stärker
entgegenkommen. Dies hätte aber «keine negativen Auswirkungen auf
unser Europa-Geschäft». Eine Gefahr sieht Forster allerdings darin,
dass ein Insolvenzverfahren in den USA Autokäufer in Europa
verunsichern könnte.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mahnte
den Koalitionspartner SPD zu Besonnenheit im Ringen um eine Zukunft
für Opel. Man dürfe jetzt nicht «die Nerven verlieren», sagte
Guttenberg am Samstag am Rande der Klausur des CSU-Vorstands im
oberfränkischen Kloster Banz. Dies sei «auch im Sinne von Opel».
Jeder Ruf aus der Regierung, der eine Direktbeteiligung des Bundes
ohne Prüfung wichtiger Kriterien in den Vordergrund rücke, schwäche
die eigene Position gegenüber Verhandlungspartnern in den USA.
(ddp)
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