12:27 | 22.06.2009
WTI-Ölpreis am Freitag unter 70 USD je Barrel
Am Freitag ging der WTI-Ölpreis unter 70 USD je Barrel – erstmals seit Anfang Juni. Anscheinend interessiert sich der Markt wieder eher für die grundlegende Angebots-/Nachfragesituation. Die Weltbank prognostiziert für dieses Jahr eine Kontraktion des Welt-BIP um 2,9%. Das dürfte sich negativ auf die Ölnachfrage auswirken, ebenso wie die zuletzt nicht zufrieden stellende Einhaltung der OPEC-Quoten. Die sinkenden Lagerbestände an Rohöl sind nur saisonal bedingt und bedeuten noch keine Einengung des Angebots.
Trotzdem bestehen Risiken auf der Angebotsseite: Die schwersten Unruhen im Iran seit der Revolution im Jahr 1979 könnten kurzfristig den Ölexport beeinträchtigen, ebenso sowie die Meldungen aus Nigeria, wonach die MEND-Rebellen drei weitere Öleinrichtungen angegriffen haben. Auch langfristig bleiben die geopolitischen Risiken hoch, betrachtet man z.B. die Terroranschläge in Kirkuk im Nordirak im Vorfeld der für Ende Juni geplanten Lizenzversteigerungen.
Irak will in den kommenden fünf Jahren die Produktion von derzeit ca. 2,3 Mio. Barrel auf 6 Mio. Barrel täglich erhöhen und damit zum drittgrößten Ölproduzenten der Welt aufsteigen. Bis dahin sind die Risiken einer Angebotsverknappung gegeben, weil die Produktionskapazität außerhalb der OPEC nicht genügend gesteigert werden.
Mexiko gab einen Rückgang der Ölproduktion im Mai im um 180 Tsd. Barrel (Jahresvergleich) auf nur 2,6 Mio. Barrel je Tag bekannt, was dem niedrigsten Stand seit Anfang 1993 entspricht. Dabei sind die Unterbrechungen wegen der Hurrikans noch nicht berücksichtigt. Vor allem der Produktions-rückgang am Riesenölfeld Cantarell, das noch vor wenigen Jahren mit 2,2 Mio. Barrel z.B. den Gesamtbedarf Großbritanniens decken konnte, ist auf lediglich 693 Tsd. Barrel pro Tag gefallen. Die Analysten der Commerzbank halten an ihrer Prognose einer kurzfristigen Korrektur bis 60 USD fest.
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