MANAGEMENT INTERVIEW |
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9:58 | 18.11.2011
Bob Mobile AG: „Spieleunternehmen wächst in neue Umsatzdimensionen“
Es ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem international führenden Anbieter von Online- und Mobile-Games:Mit der geplanten Komplettübernahme des niederländischen Mobile-Spezialisten Cliq B.V. verdoppelt Bob Mobile seinen Konzernumsatz auf über 95 Millionen Euro und weitet seine internationale Präsenz auf mehr als 40 Länder aus. Der Kaufpreis liegt bei 20 Millionen Euro in bar und 1,9 Millionen neuen Bob-Mobile-Aktien. Trotz der erhöhten Aktienzahl von 3,95 Mio. Stück stellt Bob-Mobile-Vorstandschef Remco Westermann (Foto) für das Geschäftsjahr 2012 einen Anstieg des Gewinns je Aktie auf mindestens 1,95 Euro in Aussicht. financial.de sprach mit Westermann über die Potenziale der „neuen“ Bob Mobile AG, die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung und einen möglichen Segmentwechsel. financial.de: Herr Westermann, durch die Cliq-Übernahme wächst der Umsatz von Bob Mobile sehr stark. Wie ambitioniert ist das Umsatzziel von mehr als 95 Millionen Euro für 2012? Welchen Anteil wird der Bereich Spiele beisteuern?
Grundsätzlich sind jedoch beide Unternehmen auf Wachstum programmiert und die erwarteten Synergien groß. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass wir im kommenden Jahr das Ziel von 95 Millionen Euro übertreffen werden. Online- und Mobile-Spiele steuern schon jetzt rund 30 Prozent zum gemeinsamen Umsatz bei – diese Marke wollen wir innerhalb der kommenden zwei Jahre auf über 60 Prozent steigern. financial.de: Sie sprechen die „neue“ Bob Mobile AG an. Warum ist Cliq der ideale Partner für Bob Mobile? Westermann: Cliq B.V. hat ein internationales Marketing- & Vertriebsnetzwerk und eine ausgezeichnete Marketing-Expertise. Dies eröffnet uns vom ersten Tag an neue Potenziale und Synergien bei der Vermarktung von Online- und Handy-Spielen sowie bei der Cross-Plattform-Distribution: iPhone & Android, Tabletts und PC. Mit der Übernahme vergrößern wir aber auch unsere Kundenbasis – gemeinsam verfügen wir über mehr als 9 Millionen Kunden – und erweitern unsere internationale Präsenz auf über 40 Länder, darunter alle wichtigen europäischen Märkte, aber auch Brasilien, Kanada und Russland. Die Länderportfolios passen hervorragend zusammen und zeigen kaum Überschneidungen. Für unsere Spielesparte ist eine internationale Länderabdeckung sehr wichtig, da Lizenzgeber Vermarktungspartner bevorzugen, die möglichst viele Märkte abdecken. Durch den Merger sind wir auf einen Schlag ein weltweit operierendes Unternehmen und deshalb für Spieleproduzenten ein noch interessanterer Partner. Ein zusätzlicher Grund ist das erfahrene Team von Cliq. Cliq-CEO Luc Voncken ist ein ausgewiesener Mobile-Spezialist, er wird nach dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme den Bob-Mobile-Vorstand verstärken. financial.de: Welche Synergieeffekte erwarten Sie durch den Zusammenschluss? Westermann: Neben den Kundenstämmen und den Länderportfolios passen auch die Produktportfolios sehr gut zueinander. Unser aktuelles Onlinespiele-Portfolio wird perfekt ergänzt durch das Mobile-Spiele-Portfolio von Cliq. Hieraus ergeben sich große Potenziale für die Cross-Vermarktung. Zudem ermöglicht uns die Größe und finanzielle Stärke einen noch schnelleren Aufbau der Spielesparte. financial.de: Eine Übernahme in der Größenordnung von über 50 Mio. Euro bereitet man nicht über Nacht vor. Wie lange arbeiten Sie schon an diesem Deal? Westermann: Wir kennen die Cliq B.V. als internationalen Wettbewerber schon sehr lange. Erste ernsthafte Gespräche mit dem Cliq-Management fanden ab dem zweiten Quartal 2011 statt. Insgesamt hat uns dieser Deal also mehrere Monate beschäftigt. fnancial.de: Für die Ausgabe der neuen Aktien benötigen Sie die Zustimmung der außerordentlichen Hauptversammlung am 22. Dezember. Ist dies eine reine Formsache oder fürchten Sie Widerstand seitens der Bob-Mobile-Aktionäre? Westermann: Wir haben unseren Aktionären seit der Gründung der Bob Mobile AG einen ausgezeichneten Track Record gezeigt. Die Akquisition von Cliq ist sowohl aus finanzieller wie auch aus strategischer Sicht äußerst interessant und sinnvoll. Dies müssen wir den Aktionären vermitteln, denn wir wollen und brauchen deren Zustimmung. Da wichtige Großaktionäre bereits ihre Zustimmung signalisiert haben, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir von der Hauptversammlung grünes Licht erhalten.
financial.de: Eine Akquisition in dieser Größenordnung stellt auch ein Risiko dar. Wie wollen Sie gewährleisten, dass diese Übernahme ein Erfolg wird? Westermann: Wir sehen kein wirkliches Risiko, die Unternehmen ergänzen sich sehr gut. Die Potentiale des Zusammenschlusses wurden ausgiebig analysiert und insbesondere das Cliq-Management hat bereits Erfahrungen, was Fusionen anbetrifft, denn Cliq ist vor einem Jahr selbst aus dem Zusammenschluss zweier Unternehmen entstanden. Außerdem haben die Verhandlungen gezeigt, dass das Management von Cliq und unser Management auf einer Wellenlänge liegen: damit ist eine wichtige Voraussetzung für den künftigen Erfolg erfüllt. financial.de: Durch die Übernahme steigt jedoch auch die Nettoverschuldung der Bob Mobile AG deutlich an. Ist damit auch die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung für 2011 wieder vom Tisch? Westermann: Die Übernahme wird in der Tat auch mit einem substantiellen Fremdkapitalanteil finanziert. Dies geschieht im Interesse unserer Aktionäre, um die Verwässerung in Grenzen zu halten. Der Leverage liegt am Anfang schon deutlich unter 2x EBITDA. Bob Mobile wird nach der Integration von Cliq ein deutlich höheres operatives Ergebnis wie auch einen starken Cashflow aufweisen, sodass wir die Verbindlichkeiten zügig reduzieren können. Aufgrund des erwarteten überdurchschnittlichen Cashflows steht der Schuldenabbau jedoch nicht im Widerspruch zu der Ausschüttung einer Dividende. financial.de: Parellel zur Cliq-Transaktion werden Sie den Anteil an der Guerilla Mobile Berlin GmbH von 50,2 Prozent auf 100 Prozent aufstocken. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? Westermann: Der wichtigste Grund ist, dass wir auch im mobilen Bereich verstärkt auf Spiele, inklusive Online-Spiele, setzen wollen. Hierfür ist es von großem Vorteil, wenn das Unternehmen eine Einheit darstellt. Aus diesem Grund haben wir bereits den Anteil an unserer zweiten Tochter Just A Game GmbH auf 100% erhöht. Indem wir auch bei Guerilla Mobile auf 100% aufstocken, eröffnen wir uns zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten und erhöhen unsere Effizienz. Die Geschäftsführer von Guerilla Mobile werden Aktionäre der Bob Mobile AG und haben damit nach wie vor großes Interesse am Erfolg des Unternehmens. Alle zukünftigen neuen Aktionäre, sowohl aus dem Cliq-, wie auch aus dem Guerilla-Mobile-Umfeld, haben sich übrigens zu einem Lock-up bereit erklärt. financial.de: Kommen wir auf das operative Geschäft zu sprechen. Die Q3-Zahlen waren unter anderem von außerordentlichen Fusionskosten belastet. Aber auch die Spiele-Tochter Just A Game ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wie bewerten Sie den bisherigen Verlauf des zweiten Halbjahres? Westermann: Just A Game befindet sich weiterhin auf Erfolgskurs. Die Kommunikation zum dritten Quartal war etwas knapp und dadurch nicht ganz optimal. Auch im dritten Quartal hat unsere Spieletochter ihr Wachstum fortgesetzt und diverse Erfolge zu vermelden, insbesondere im strategisch wichtigen Bereich Onlinespiele. Nach weiteren Optimierungen befindet sich nun neben „War2Glory“ auch „Operation Gamma 41“ auf Erfolgskurs, außerdem gibt es inzwischen kumulativ über 2,7 Millionen registrierte Spieler. Auch bei der Internationalisierung haben wir unter anderem durch den Markteintritt in Frankreich deutliche Fortschritte gemacht; der Marktstart in Spanien steht unmittelbar bevor. financial.de: Warum hat Just A Game die – zugegeben sehr hohen – Erwartungen dennoch nicht erfüllt? Westermann: Es gab im dritten Quartal leider einige externe Faktoren, die unser Wachstum beeinflusst haben. Unser für die Internationalisierung wichtiger neuer Onlineshop wurde auf Grund von technischen Verzögerungen verspätet fertiggestellt. Diese Probleme sind nun jedoch behoben. Aktuell befindet sich die italienische Version im Test, in den kommenden Wochen werden auch weitere Länder freigeschaltet. Damit stehen zukünftig insbesondere außerhalb Deutschlands deutlich mehr Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die bis jetzt gefehlt haben. Auch organisatorisch mussten wir einiges optimieren, somit wird sich der erwartete Umsatzschub leider ins erste Halbjahr 2012 verschieben, aber er wird kommen. financial.de: Was war der Grund für den Strategiewechsel im Bereich Lizenzhandel? Westermann: Die Strategie, eine starke Position im Lizenzhandel im Bereich klassische Lizenzen und Produkte für PC/Konsolen aufzubauen, um damit an aussichtsreiche Lizenzen heranzukommen, war stimmig. Wie sich inzwischen aber herausgestellt hat, hat sie einen entscheidenden Makel: der Markt für klassische Lizenzen verschwindet wesentlich schneller als geplant. Auf Grund dieser Entwicklung haben wir unser Engagement in diesem Bereich stark zurückgefahren. Die Unit ist jetzt allerdings dabei, sich im – für die Bob Mobile AG strategisch wichtigen – Bereich Lizenzhandel für Onlinespiele eine starke Position zu erarbeiten. Dieser Markt steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, hier muss Pionierarbeit geleistet werden. Es sind aber inzwischen erste Erfolge zu vermelden. Zusätzlich fokussiert sich die Lizenzabteilung auf die Beschaffung mobiler Lizenzen als Vorbereitung auf das Wachstum der Gruppe in diesem Bereich.
financial.de: Welche Rolle spielt der griechische Markt noch für Bob Mobile? Westermann: Wir haben unser Engagement in Griechenland auf Grund des Länderrisikos bewusst zurückgefahren. Inzwischen liegt der Umsatzanteil Griechenlands klar unter zehn Prozent unseres Gesamtumsatzes. Insofern sind die Risiken, die sich aus der unsicheren Lage in Griechenland ergeben, für uns beherrschbar. In der Kombination mit Cliq ist der Anteil von Griechenland minimal. financial.de: Ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2012 sieht bei einem Konzernumsatz von über 95 Mio. Euro ein EBITDA von über 18 Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie von mindestens 1,95 Euro vor. Haben Sie sich mit dieser Prognose nicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt? Westermann: Nein, auch bei der Ergebnisprognose sind wir sehr konservativ. Cliq B.V. wird im laufenden Jahr ein substantielles EBITDA realisieren. Da zudem die Spielesparte Fahrt aufnimmt und im kommenden Jahr von den Synergien mit der Mobile-Sparte zusätzlich profitieren wird, erwarten wir auch im bisherigen Kerngeschäft eine Ergebnissteigerung im Jahr 2012. Den zu erwartenden Integrationskosten stehen zudem Kosteneinsparungen gegenüber. Zusammengenommen gehen wir davon aus, dass diese Ergebnisziele konservativ geplant, realisierbar und sogar zu übertreffen sind. financial.de: Mit einem Umsatz im fast dreistelligen Millionenbereich und einer substantiell höheren Marktkapitalisierung erschließt sich Bob Mobile weitere Investorenkreise, für die das Unternehmen bisher zu klein war. Denken Sie auch über einen Segmentwechsel nach? Westermann: Durch die neue Größe der Bob-Mobile-Gruppe spielen wir in einer höheren Liga und erwarten wir in der Tat positive Effekte auch am Kapitalmarkt. Die „neue“ Bob Mobile AG ist besser aufgestellt, wächst in neue Umsatzdimensionen und ist zudem sehr profitabel. Nach der Zustimmung der Aktionäre sowie der Integration der Unternehmen streben wir einen Wechsel in den Geregelten Markt an. financial.de: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt? Sehen Sie Bob Mobile in der neuen Aufstellung auch als Übernahmekandidaten? Westermann: Uns ist bewusst, dass eine Bob Mobile in dieser neuen Größenordnung nun auch auf den Radarschirmen aller großen internationalen Player erscheint. Die Kombination aus Cliq und Bob Mobile strebt dabei ganz klar eine führende Position im Bereich Online- und Mobile-Games an. Ziel ist ein internationaler Roll-out sowohl von Online- als auch von Download-Spielen für alle Devices wie zum Beispiel iPhone, iPad und PC. Hierzu werden wir den Konzernumbau und die Fokussierung unseres Produktportfolios auf diese Bereiche weiter vorantreiben. Neben dem angepeilten organischen Wachstum werden wir aber auch weiterhin Ausschau halten nach interessanten Akquisitionskandidaten. Unser primäres Ziel ist es, die bereits jetzt sehr gut aufgestellte Bob-Mobile-Gruppe weiter eigenständig auszubauen. financial.de: Herr Westermann, besten Dank für das Interview. Das komplette Interview können Sie hier auch als PDF herunterladen: |
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Remco Westermann: Das Umsatzziel der „neuen“ Bob Mobile AG von 95 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2012 ist konservativ. Bob Mobile erwirtschaftet aktuell einen Jahresumsatz von über 40 Millionen Euro und der 2011er Jahresumsatz von Cliq liegt laut Plan auf Basis der Endkundenumsätze bei 55 Millionen Euro. Dies zeigt schon, dass unsere Prognose für 2012 konservativer Natur ist. Der Grund für diese vorsichtige Einschätzung ist, dass ein Zusammenschluss dieser Größenordnung Zeit kostet.









