MANAGEMENT INTERVIEW

9:36 | 01.12.2011
KTG Agrar AG: „Von unseren Unternehmensanleihen profitieren alle Investoren“

Mehr als 20 Megawatt Biogasproduktionskapazität am Netz, erfolgreiche Agrarrohstoffernte eingefahren. Von Krise ist bei der KTG Agrar AG keine Spur. „Mit Landwirtschaft und erneuerbarer Energieproduktion profitieren wir von Megatrends“, erklärt Firmenchef Siegfried Hofreiter. So ist das Landwirtschaftsunternehmen weiterhin auf Wachstumskurs. Auch dank der Umstellung der Fremdkapitalfinanzierung von kurzfristigen Bankdarlehen auf mittelfristige Anleihen.
Im Interview mit financial.de spricht Siegfried Hofreiter über die Vorteile der Anleihe und die Zukunftsperspektiven.

financial.de: Sie sagten letztes Jahr „2011 wird ein Rekordjahr für KTG Agrar.“ Jetzt haben Sie die Ernte beendet und Biogasanlagen mit mehr als 20 Megawatt am Netz. Bleiben Sie bei ihrer Prognose?

oberSiegfried Hofreiter: Ja. Wir werden auch im laufenden Jahr profitabel wachsen. Die Ernte 2011 ist eingefahren und wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Wir haben bereits im vergangenen Jahr begonnen unsere aktuelle Ernte zu verkaufen und uns so das hohe Preisniveau gesichert. Wintergetreide und Raps wurden von dem trockenen Frühjahr und dem Regen in der Ernteperiode beeinflusst.

Daher liegen die Ernteerträge leicht unter dem Vorjahresniveau. Dies hat KTG Agrar jedoch durch höhere Verkaufspreise überkompensiert. Von dem Regen im Sommer haben der Mais und die Zweitfrüchte stark profitiert. Bei Körnermais, Maissilage und den Zweitfrüchten wurden sehr große Mengen eingefahren.

financial.de: Ihr Wachstumsmotor ist derzeit der Biogasbereich. Liegen Sie mit dem Ausbau der Kapazitäten im Plan?

Siegfried Hofreiter: Durch den milden Winteranfang können wir auf den Baustellen immer noch Vollgas geben. Daher haben wir bereits mit dem Bau von Anlagen, die ursprünglich für 2012 geplant waren, begonnen und werden diese dann im kommenden Jahr schneller ans Netz bringen. In den vergangenen Tagen haben wir mehrere neue Anlagen fertig gestellt und so die Marke von 20 Megawatt (MW) geknackt. Damit produziert KTG Agrar inzwischen umweltfreundlichen Strom für rund 34.000 Haushalte.

Darüber hinaus befinden sich bereits zahlreiche weitere Anlagen mit einer Kapazität von mehr als 10 MW im Bau und weitere 9 MW sind in der Planungs- oder Genehmigungsphase. Im Jahr 2012 werden wir dann deutlich mehr als 30 MW am Netz haben. Sobald alle Anlagen hochgefahren sind und unter Volllast laufen, werden wir mit dem Verkauf von sauberem Strom und Wärme jährlich mehr als 45 Mio. Euro umsetzen. Dies entspricht dem gesamten Konzernumsatz des Jahres 2010 und bietet durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz Planungssicherheit für 20 Jahre!

financial.de: Blicken wir in die Zukunft. Welche Umsatzdimension wollen Sie in den kommenden Jahren erreichen?

Siegfried Hofreiter: Im Jahr 2010 haben wir 45 Millionen Euro umgesetzt. Aktuelle Analystenprognosen liegen für 2012 und 2013 bei 125 beziehungsweise 144 Millionen Euro. Damit fühlen wir uns wohl.

financial.de: Zur Wachstumsfinanzierung haben Sie zwei Unternehmensanleihen erfolgreich platziert. Wie genau setzen Sie die Mittel ein und wie planen Sie die Rückzahlung?

Siegfried Hofreiter: Wir investieren in Substanz: Biogasanlagen und Ackerland. Dafür ist die Anleihe die ideale Zwischenfinanzierungsmöglichkeit. Wir haben eine ganz klare Mittelverwendung und Rückzahlungsstrategie. Beispiel Biogas: Von der Planung bis zur Stromproduktion vergehen etwa zwei Jahre. Bisher haben wir die Kosten über Projektfinanzierungen mit Zinsen von etwa 9 Prozent gestemmt.

Dies machen wir nun günstiger mit der Anleihe und wir müssen nicht wegen jeder Anlage mit der Bank verhandeln. Wir sparen also Zinsen und können schneller bauen. Wenn die Anlagen dann am Netz sind, erfolgt die Umfinanzierung in langfristige KfW-Darlehen mit einem Zinssatz von 4 bis 5 Prozent. Die Rückzahlung der Anleihe ist somit gewährleistet.

financial.de: Neben Biogasanlagen investieren Sie auch in Ackerland. Die Hektarpreise sind in den vergangenen Monaten gestiegen, geht der Trend weiter?

Siegfried Hofreiter: Ja. Ackerland ist in eine der wertstabilsten Sachanlagen der Welt. Insbesondere in unsicheren Zeiten suchen Anleger nach einem sicheren Hafen. Wie Agrarrohstoffe werden die Preise für Ackerland von Megatrends bestimmt: Vor wenigen Jahren waren Klimawandel, wachsende Weltbevölkerung, Änderung der Essgewohnheiten und Urbanisierung noch Zukunftsmusik. Heute prägen sie den Markt. So hat die Weltbevölkerung dieses Jahr die Schallmauer von 7 Milliarden durchbrochen.

Länder wie China und Saudi Arabien sind innerhalb kürzester Zeit von Agrarrohstoffexporteuren zu großen Importeuren geworden. Indien wird Experten zu Folge schon in wenigen Jahren hinzukommen. Auf der anderen Seite gehen weltweit jeden Tag 30.000 Hektar Anbaufläche verloren. Erosion und Nährstoffverlust lassen die Böden verschmutzen und versalzen. Ein Drittel der globalen Landfläche ist heute schon praktisch kaum noch brauchbar.

financial.de: Wieso nutzen Sie beim Landkauf keine zinsgünstigen Hypothekendarlehen?

Siegfried Hofreiter: Das tun wir selbstverständlich. Jedoch kann man selten eine große Fläche auf einmal kaufen. Stellen Sie sich ein Schachbrett mit 10 Feldern von je 10 Hektar vor. Alle haben unterschiedliche Eigentümer. Bis Sie alle Parzellen zusammen und eine wirklich Wertvolle Einheit von 100 Hektar arrondiert haben vergehen 3 bis 4 Jahre. Auch das spricht für die mittelfristige Zwischenfinanzierung über eine Anleihe.

Wenn wir eine Fläche von 100 Hektar gebündelt haben, gibt es zwei Optionen: Wir verkaufen mit einer ordentlichen Arrondierungsprämie und pachten die Fläche anschließend für bis zu 15 Jahre. Oder wir behalten die Fläche im Bestand und finanzieren über langfristige Hypothekendarlehen um. Auf diese Weise haben wir schon heute stille Reserven von mehr als 30 Millionen Euro in der Bilanz. Und im Vergleich zu Westdeutschland sind die Preise in Ostdeutschland und Litauen immer noch sehr attraktiv.

financial.de: Derzeit ist das Geschäftsmodell von KTG Agrar auf drei Säulen verteilt. Betrachtet man sich die Investitionen in jüngster Zeit, drängt sich der Verdacht auf, dass Biogas der neue Schwerpunkt dieses Geschäftsmodells wird. Können Sie diese Vermutung bestätigen?

Siegfried Hofreiter: Die Produktion von Agrarrohstoffen und erneuerbarer Energie bilden auch in Zukunft die Schwerpunkte unseres Geschäftsmodells. Mit den Übernahmen von Frenzel Tiefkühlkost und der Ölmühle Anklam haben wir unsere Wertschöpfungskette gezielt verlängert. Beide Gesellschaften werden schon im kommenden Jahr spürbar zum Umsatz- und Gewinnwachstum von KTG beitragen.

financial.de: Wie passen die Zukäufe von Frenzel Tiefkühlkost und der Anklamer Ölmühle in das Geschäftsmodell von KTG Agrar?

Siegfried Hofreiter: Beide Unternehmen bieten hervorragende Möglichkeiten, um unsere Wertschöüfungskette zu verlängern. Die Veredelungsbranche befindet sich derzeit im Wandel. Die volatilen Preise sind für die Branche eine große Herausforderung. Ohne Preisabsicherungen und Kooperationen auf der Einkaufs- und Verkaufsseite ist nachhaltiger Erfolg nicht möglich.

Wir praktizieren dieses Modell in der Agrarproduktion schon seit vielen Jahren und werden es nun auch bei der Ölmühle und bei Frenzel einführen. Damit wird das Geschäft planbar und nachhaltig erfolgreich. Beide Gesellschaften werden schon 2012 zu unserem Wachstumskurs beitragen. Dennoch werden die Produktion von qualitativ hochwertigen Agrarrohstoffen und umweltfreundlicher Energie unsere Kerngeschäftsfelder sein. Eins ist sicher: KTG Agrar ist in Zukunftsmärkten aktiv und wird den profitablen Wachstumskurs beibehalten.

financial.de: Herr Hofreiter, vielen Dank für das Gespräch.

Das komplette Interview können Sie hier auch als PDF herunterladen:


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