MANAGEMENT INTERVIEW

8:59 | 18.06.2018
Mutares AG: „Mittelfristig überwiegen die Vorteile deutlich“

Seit dem 1. Juni notiert die STS Group AG (ISIN: DE000A1TNU68), eine Beteiligung der Mutares AG (ISIN DE000A0SMSH2), im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. „Die Platzierung der STS Group ist eine der erfolgreichsten Transaktionen in der Geschichte der Mutares AG. Neben dem Exiterlös von über 31 Mio. Euro bei Ausübung des Greenshoes partizipiert Mutares als Mehrheitsaktionär auch maßgeblich an der weiteren Wertentwicklung der STS Group“, erläutert Mutares-CEO Robin Laik im Interview mit Financial.de. Auch wenn die Gesellschaft angesichts eines herausfordernden Umfelds Zugeständnisse beim Platzierungspreis machen musste, ist Laik überzeugt, „mit den gewählten Konditionen der STS Group, der Mutares sowie den Investoren beider Gesellschaften beste Chancen für die Zukunft zu bieten. Darüber hinaus wird die Platzierung einen starken, positiven Einfluss auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres 2018 haben.“

Financial.de sprach mit Mutares-CEO Robin Laik u. a. auch über die geplante Expansion der STS Group, die jüngste Kursschwäche der Mutares-Aktie sowie das Anfang Juni gestartete Aktienrückkaufprogramm.

Financial.de: Herr Laik, Mutares hat einige aufregende Wochen hinter sich gebracht. Im Mittelpunkt stand dabei der Börsengang der Beteiligung STS Group AG. Ganz grundsätzlich: Wie zufrieden sind Sie mit dem vollzogenen IPO?

Robin Laik: Der IPO der STS Group stellt für die Mutares einen wichtigen Meilenstein in der weiteren Entwicklung der Gesellschaft dar. Für Mutares war dies der erste Teil-Exit, der mittels einer Kapitalmarkttransaktion vollzogen wurde. Gleichzeitig erlaubt uns das IPO, als Mehrheitsaktionär an der weiteren Entwicklung der STS Group zu partizipieren und gleichzeitig mit den Erlösen des IPO die aktuellen, strategischen Wachstumsprojekte der STS Group zeitnah umsetzen zu können. Insgesamt eine Transaktion, die vollen Einsatz unseres Teams gefordert hat und uns daher mit der – trotz widrigster Marktbedingungen – erfolgreich durchgeführten Platzierung zufrieden stimmt.

Financial.de: Nachdem die Zeichnungsspanne ursprünglich zwischen 26 und 32 Euro gelegen hatte, konnten Sie die STS-Papiere am Ende nur zu 24 Euro platzieren. Haben Sie im Vorfeld die Nachfrage der Investoren falsch eingeschätzt oder wurden Sie von den allgemeinen Marktturbulenzen der letzten Wochen überrascht?

Laik: Im Rahmen der üblichen Marktsondierungen und Roadshows haben wir von Investoren mehr als ausreichendes Interesse an der STS Group und ihrem Wertzuwachspotenzial signalisiert bekommen. So haben Vorstand und Aufsichtsrat während des Transaktionsprozesses regelmäßig Marktlage und -aussichten diskutiert und an wesentlichen Entscheidungspunkten über die weitere Durchführung der Transaktion entschieden.

Allerdings wurden während der IPO-Phase die Aussichten im Nutzfahrzeugzuliefermarkt vom Markt als schwieriger eingeschätzt, was sicher auch einen Einfluss auf die Investitionsfreude von Investoren gegenüber der STS Group hatte. Zusätzlich haben die für alle Marktteilnehmer überraschenden Turbulenzen in Italien am letzten Tag der Zeichnungsfrist die Transaktion belastet, sodass wir strategisch abwägen mussten, Timing oder Zeichnungsspanne entsprechend anzupassen. Wir haben uns für die Anpassung des Zuteilungspreises entschieden, nicht zuletzt um der STS Group die für ihre Expansion und ihr weiteres Wachstum, v. a. in China, benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen.

Financial.de: Die Beurteilungen im Markt für den trotz aller Widrigkeiten durchgezogenen Börsengang reichen von „enttäuschend“ bis „mutig“. War ein Abbruch des IPO für Sie zwischenzeitlich Diskussionsthema oder warum wollten Sie das Projekt auf jeden Fall zu Ende bringen?

Laik: In der Tat haben wir uns vor und während der Platzierungsphase in einer herausfordernden Situation befunden. Die Bewertung von Unternehmen aus der Peer-Group der STS Group ist zurückgegangen, politische und wirtschaftliche Unruhen im Iran und in Italien, die Entwicklungen im Rentenmarkt sowie die Zoll-Diskussion haben Investoren verunsichert. Die Folge waren zahlreiche Absagen, Verschiebungen und Preisreduktionen bei Börsengängen in ganz Europa. Natürlich haben Investoren uns dies spüren lassen. Wir waren daher in ständigen Abwägungen, das Emissionskonzept sinnvoll anzupassen. Börsengänge sind auch maßgeblich von externen Faktoren abhängig und Entscheidungen sind weitreichend. Wir sind überzeugt, mit den gewählten Konditionen der STS Group, der Mutares sowie den Investoren beider Gesellschaften beste Chancen für die Zukunft zu bieten. Auch wenn der reduzierte Ausgabepreis kurzfristig zu Lasten der STS Group und Mutares gehen mag, so überwiegen mittel- und langfristig die Vorteile deutlich.

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Financial.de: Wie bewerten Sie den erzielten Erlös für die Mutares AG aus dem Teil-Exit der STS Group?

Laik: Die Platzierung der STS Group ist eine der erfolgreichsten Transaktionen in der Geschichte der Mutares AG. Fakt ist, dass nach einem Anfangsinvestment in Höhe eines symbolischen Kaufpreises im Jahr 2013 und einem erfolgreichen Turnaround, die STS in den vergangenen beiden Jahren durch mehrere Transaktionen strategisch geformt, ergänzt und zur STS Group aufgebaut wurde. Der STS-Umsatz steigerte sich in diesem Zeitraum um mehr als das Dreifache auf 425 Mio. Euro (pro forma Basis) im Geschäftsjahr 2017. Neben dem Exiterlös von über 31 Mio. Euro bei Ausübung des Greenshoes bleibt die Mutares AG mit einem Anteil von 62 % auch zukünftig Mehrheitsaktionär und Partner der STS Group und partizipiert damit auch weiterhin maßgeblich an der Wertentwicklung der Gesellschaft.

Financial.de: In den ersten Handelstagen konnte sich STS auf dem IPO-Niveau halten. Sie als Mehrheitsaktionär sind aber sicher daran interessiert, dass die Börsenbewertung der STS Group nun im Praxistest schnell das nachholt, was beim IPO verpasst wurde. Das dürfte STS aber nur mit der Umsetzung seiner Wachstums- und Investitionspläne schaffen. Nachdem der Börsengang geringere Geldmittel eingebracht hat als geplant, wie wollen Sie Ihre Beteiligung weiter unterstützen?

Laik: Es ist richtig, dass wir als Mehrheitsaktionär natürlich an einer fortgeführten Wertsteigerung der STS Group interessiert sind – ganz so, wie wir das von all unseren Portfoliounternehmen erwarten. Hierfür tun wir ja auch einiges: Wir haben ein schlagkräftiges Investmentteam mit Büros in München, Paris und Mailand, die für strategische Zukäufe den Portfoliogesellschaften beratend zur Seite stehen und stellen darüber hinaus operative Experten zur Verfügung, die bei der Umsetzung strategischer und optimierender Maßnahmen direkt vor Ort die Mitarbeiter unterstützen.

Des Weiteren kann die Wachstumsstrategie der STS Group wie geplant umgesetzt werden, da sie aus fünf Pfeilern besteht, die unabhängig voneinander vorangetrieben werden können. Die Wachstums- und Investitionspläne der STS Group können folglich eingehalten werden – allerdings in einer sukzessiven Abfolge auf Basis einer stärkeren Priorisierung, z. B. des Ausbaus in China und der Expansion in die USA.

Financial.de: Im Vorfeld des STS-Börsengangs wurde ja auch immer wieder geschrieben, dass dies die Blaupause für weitere Exits sein könnte. Welche Erkenntnisse haben Sie diesbezüglich denn bereits sammeln können?

Laik: Wir haben mit dem erfolgreichen IPO der STS Group gezeigt, dass wir als Mutares nun den Kapitalmarkt als zusätzlichen Exitkanal für unsere Beteiligungen nutzen können. Es gibt hierfür sicherlich einige Grundvoraussetzungen, wie wir sie auch bei der STS Group AG vorgefunden haben wie z. B. eine gewisse Größe, eine für Investoren attraktive Industrie, werthaltige Produkte und ggf. eine starke internationale Präsenz. Mit unserer Buy-and-Build-Strategie sehe ich uns auf gutem Weg, diesen Exitkanal zukünftig weiter in Betracht zu ziehen.

Das vollständige Interview können Sie auch hier herunterladen: INTERVIEW

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.

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