MANAGEMENT INTERVIEW

10:05 | 02.06.2017
mutares AG: „Zuversichtlich, dass wir unsere Ziele übererfüllen werden“

Die neue Plattform-Strategie der mutares AG (ISIN: DE000A0SMSH2) trägt Früchte. Im ersten Quartal 2017 überzeugte der Münchner Beteiligungskonzern mit einem deutlichen Umsatzanstieg um 36 Prozent auf 208,2 Mio. Euro und einem starken operativen Ergebnis (EBITDA) von 21,5 Mio. Euro. Und mutares will weiter wachsen: „Unsere Transaktionspipeline war noch nie so gut gefüllt wie aktuell“, verrät mutares-CEO Dr. Axel Geuer im Exklusivinterview mit financial.de.

Bis Ende des Jahres sollen noch mindestens vier Akquisitionen und ein Exit realisiert werden. Das für 2018 ausgegebene Umsatzziel von 1,8 Mrd. Euro hält Dr. Geuer „für absolut erreichbar“. Die mutares-Aktie sieht er aufgrund des hohen Abschlages zum NAV von 20,47 Euro je Aktie „stark unterbewertet“: „Wir arbeiten mit Nachdruck daran, den hohen Abschlag zu verringern.“

Financial.de sprach mit mutares-CEO Dr. Geuer (Foto) u. a. über das rasante Wachstum im Nutzfahrzeugsektor, interessante Exit-Kandidaten im Portfolio und einen wichtigen Meilenstein für die mutares-Gruppe.

financial.de: Herr Dr. Geuer, im vergangenen Jahr haben Sie das mutares-Portfolio auf fünf Segmente neu ausgerichtet. Was ist das Ziel dieser Gruppierung?

Dr. Axel Geuer: Unser Ziel ist eine kontinuierliche und nachhaltige Steigerung von Umsatz und Profitabilität. Durch unsere Profilschärfung wollen wir diese Entwicklung weiter beschleunigen. Die Sichtbarkeit und das Netzwerk von mutares profitieren erheblich von der Fokussierung auf unsere fünf Segmente. Dies verleiht uns einen deutlichen Schub – sowohl bei der Unternehmensakquise als auch bei der operativen Restrukturierung. Das Profil und die Kernkompetenzen von mutares als fertigungsorientierter, nachhaltiger Investor werden dadurch nochmals deutlich unterstrichen.

financial.de: Wie unterscheidet sich diese Herangehensweise von Ihrer früheren Strategie?

Dr. Axel Geuer: Wie jedes erfolgreiche Unternehmen hinterfragen auch wir stets unser Geschäftsmodell und suchen nach Wegen zur weiteren Optimierung. Wir haben uns von einer reinen Fokussierung auf die Restrukturierung von Unternehmen weiterentwickelt zu einem Investor, der auch das Potenzial nach einem erfolgreich abgeschlossenen Turnaround heben kann. Hierzu trägt vor allem unsere Konzentration auf die konsequente Entwicklung von Plattform-Investments durch attraktive Add-ons bei.

Dr. Geuerfinancial.de: Könnten Sie uns diese Plattform-Strategie bitte an einem konkreten Beispiel erläutern?

Dr. Axel Geuer: Unser italienisches Nutzfahrzeugzulieferunternehmen STS ist dafür ein sehr passendes Beispiel. Wir haben das Unternehmen im Jahr 2012 als einen harten Sanierungsfall erworben. In den ersten beiden Jahren waren wir mit unserer Restrukturierung sehr erfolgreich und haben das Unternehmen zurück zu Wachstum und Profitabilität geführt. Wir haben uns entschieden, ein neues Werk in Polen zu eröffnen, für das wir Scania, Volvo und MAN als Kunden gewinnen konnten. Im letzten Jahr konnten wir mit dem Nutzfahrzeugzuliefergeschäft der französischen Mecaplast-Gruppe ein perfektes Add-on für STS akquirieren. Und auch in diesem Jahr stehen wir kurz vor dem Closing einer weiteren großen Add-on-Akquisition für STS.

financial.de: Wie drückt sich dieser rasante Wachstumskurs in Zahlen aus?

Dr. Axel Geuer: Als wir STS im Jahr 2012 erworben haben, hat das Unternehmen etwas weniger als 120 Mio. Euro Umsatz bei einem Verlust von gut 15 Mio. Euro gemacht. Nach der Integration der Add-on-Akquisition von Plastic Omnium erwarten wir einen Umsatz von über 400 Mio. Euro bei einem Ergebnis von gut 30 Mio. Euro. Und das ist sicherlich auch noch weiter steigerungsfähig.

financial.de: Wo sehen Sie noch weiteres Potenzial?

Dr. Axel Geuer: STS ist nun einer von wenigen globalen Zulieferern, die sich auf den Nutzfahrzeugsektor fokussiert haben. Wir wollen in der weiteren Marktkonsolidierung eine entscheidende Rolle spielen und sehen dafür zahlreiche Opportunitäten. Grundsätzlich genießt mutares in der Automobilzulieferindustrie dank der erfolgreich abgeschlossenen Turnarounds einen hervorragenden Ruf als Experte und vertrauensvoller Geschäftspartner. Insbesondere diesen Bereich wollen wir sowohl durch neue Plattforminvestitionen als auch durch größere Addon-Akquisitionen weiter ausbauen.

financial.de: Kommen wir auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Im ersten Quartal ist der Umsatz – in erster Linie akquisitionsbedingt – um 36 Prozent auf 208,2 Mio. Euro gestiegen. Welche Ihrer Beteiligungen sind organisch am stärksten gewachsen?

Dr. Axel Geuer: Eine erfolgreiche Restrukturierung kann nur mit einem deutlichen Umsatzwachstum einhergehen. Wachstum ist das beste Zeichen für wiedergewonnenes Vertrauen im Markt. Auch für unsere Belegschaften ist es ein wichtiges Zeichen, wenn wir unsere Kapazitäten wieder auslasten oder gar ausbauen können und sich unsere Investitionen auszahlen. Beim organischen Wachstum haben im ersten Quartal besonders Elastomer Solutions und Zanders überzeugt. Beide Unternehmen sind gut gerüstet, um ihren Umsatz auch weiterhin deutlich zu steigern.

financial.de: Auf der Ergebnisseite haben Sie von signifikanten Verbesserungen bei Ihren Beteiligungen A+F, STS und Elastomer Solutions berichtet. Wie zufrieden sind Sie mit den Fortschritten bei der Sanierung der angesprochenen Gesellschaften?

Dr. Axel Geuer: Alle erwähnten Unternehmen haben die Sanierung längst hinter sich und sind auf einem starken Wachstumskurs. Wir sind mit den erzielten Ergebnissen sehr zufrieden, sehen aber noch weiteres Potenzial. Alle Unternehmen reifen zu interessanten Exit-Kandidaten.

financial.de: Der Ergebnissprung im ersten Quartal war maßgeblich beeinflusst durch den Verkauf von EUPEC Deutschland an die Wasco-Gruppe für 19,5 Mio. Euro. Damit hat mutares den lange erwarteten Exit realisiert. Warum hat sich der Abschluss so lange in die Länge gezogen?

Dr. Axel Geuer: Zuerst muss man verstehen, dass dies kein normaler Exit-Prozess war. Der Verkauf war sehr stark vom Fortgang des Projekts „Nord-Stream-2“ abhängig. Dieses Projekt ist ein sehr umstrittenes, höchst politisches Projekt. Die Struktur auf der Käuferseite war sehr komplex. Die Unsicherheit, dass das Projekt abgesagt werden könnte, hat den Käufer lange zögern lassen. Wir hätten uns einen schnelleren Abschluss sehr gewünscht. Am Ende hat sich unsere Beharrlichkeit und Ruhe jedoch ausgezahlt.

Den vollständigen Text können Sie hier herunterladen: INTERVIEW

 

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.


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