MANAGEMENT INTERVIEW

12:41 | 15.12.2016
NANOGATE: US-Übernahme als „Game-Changer“

Mit der Übernahme der US-Gesellschaft Jay Plastics steigt die Nanogate AG zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich Hightech-Oberflächen auf. „Nanogate wächst damit in eine neue Dimension“, so CEO Ralf Zastrau im Interview mit Financial.de. Für 2017 erwartet Nanogate einen deutlichen Umsatzanstieg auf mehr als 150 Mio. Euro. Die Analysten haben ihre Kursziele für die Nanogate-Aktie bereits auf bis zu 56 Euro angehoben.
Financial.de sprach mit Nanogate-CEO Ralf Zastrau u. a. über ein Marktvolumen im Milliardenbereich, die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Transaktion und den angekündigten Einstieg in den E-Mobility-Markt.

Financial.de: Herr Zastrau, Nanogate hat mit der Übernahme eines 80%-Anteils an der US-Gesellschaft Jay Plastics die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte vermeldet. Sind Sie mit diesem Schritt nun endgültig im Kreis der weltweit führenden Anbieter von designorientierten Hightech-Oberflächen angekommen?

Ralf ZastrauRalf Zastrau: Nanogate etabliert sich mit der Mehrheits-Beteiligung an Jay Plastics als ein weltweit führender Spezialist für designorientierte Hightech-Oberflächen und -Komponenten. Mit eigenen Produktionsstätten auf beiden Seiten des Atlantiks sind wir in den beiden wichtigsten Markten präsent. Nanogate ist die erste Adresse, um für internationale Konzerne multifunktionale Kunststoff-Bauteile in höchster optischer Qualität zu entwickeln und zu fertigen. Nanogate wächst damit in eine neue Dimension. Die Transaktion mit der Mehrheits-Beteiligung ist echter „Game-Changer“.

Financial.de: Welche weiteren Vorteile versprechen Sie sich von der Übernahme?

Ralf Zastrau: Gemeinsam mit Jay Plastics verbessert sich nicht nur unsere Technologiebasis, sondern insbesondere unser weltweiter Marktzugang. So beliefert unsere neue Beteiligung neben US-amerikanischen Herstellern auch Unternehmen in Japan und Südkorea. Nanogate bewegt sich damit in einem attraktiven Markt mit einem zugänglichen Volumen im Milliardenbereich.

Financial.de:  Jay Plastics verfügt in den USA über eine starke Marktposition bei Hightech-Kunststoffen und Metallisierungslösungen. Inwiefern ist diese mit der Position von Nanogate in Europa vergleichbar?

Ralf Zastrau: Mit seiner strategischen Ausrichtung und hohen Technologiekompetenz ist Jay Plastics unser Gegenstück. Wir haben uns viele US-Anbieter angeschaut – keiner erreicht auch nur annähernd die starke Marktposition, wie sie sich Jay Plastics in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich erarbeitet hat. Unsere Systeme können wir gut an die vorhandenen Technologien andocken. Gerade bei der Metallisierung von Kunststoffen – einem unserer zentralen Wachstumstreiber für die nächsten Jahre – sehen wir erhebliche Chancen. Wir haben für unsere Plattform N-Metals Chrome unlängst unsere Produktionsstätte in Betrieb genommen und verfügen im Konzern über entsprechende jahreslange Expertise – ebenso wie unsere neue Beteiligung. Gerade im Bereich Beleuchtungssysteme ist Jay Plastics eine echte Größe.

Financial.de: Können Sie schon Aussagen zu den erwarteten Synergien auf Konzernebene machen?

ZentraleRalf Zastrau: Wir erwarten schnelle Erfolge. Denn schon jetzt stehen wir in gemeinsamen Verhandlungen mit Kunden über mögliche Projekte. Das größere Technologie-Portfolio und der verbreiterte Marktzugang sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Transaktion. Hier rechnen wir auch mit den größten Synergien.

Financial.de: Hegen Sie auch Expansionspläne in Richtung Asien oder gilt nun vorerst Ihr Hauptaugenmerk dem US-Markt?

Ralf Zastrau: Der asiatische Markt rückt mehr und mehr in den Fokus. Nanogate liefert bislang beispielsweise schon hochwertige Kunststoffkomponenten nach China, während Jay Plastics für Kunden aus Japan und Südkorea aktiv ist. Darauf wollen wir jetzt aufsetzen. Europa, Nordamerika und Asien sind die Märkte, wo wir ganz vorne mitspielen werden. Nanogate ist als Innovationspartner für multifunktionale Design-Komponenten und -Oberflächen weltweit anerkannt.

Financial.de: Der Kaufpreis für rund 80 Prozent der Anteile an Jay Plastics liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Wie werden Sie die Übernahme finanzieren?

Ralf Zastrau: Die Finanzierung ist bereits gesichert. Wir greifen auf unsere vorhandenen Barmittel zurück, ein Teil wird über Fremdkapital finanziert. Außerdem werden voraussichtlich rund 25 Prozent des Kaufpreises in Nanogate-Aktien bezahlt. Das ist in unseren Augen ein guter Finanzierungsmix.

Financial.de: Haben Sie sich auch eine Option auf die verbliebenen 20 Prozent an Jay Plastics gesichert?

Ralf Zastrau: Nanogate hat eine Option für den Erwerb der ausstehenden Anteile. Das Stufenmodell beinhaltet auch erfolgsabhängige Komponenten.

Financial.de: Kommen wir auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Wie fällt Ihr erstes Fazit wenige Wochen vor dem Jahreswechsel aus? Konnten Sie im zweiten Halbjahr an das starke operative Abschneiden in der ersten Jahreshälfte anknüpfen?

Ralf Zastrau: Nanogate wird seine Ziele für Umsatz und operatives Ergebnis vollumfänglich erreichen. Die dynamische Geschäftsentwicklung hält unverändert an. Daher soll der Konzern-Umsatz auf mehr als 105 Mio. Euro steigen und das EBITDA mindestens 12 Mio. Euro erreichen. Damit setzen wir den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahre fort.

Financial.de: Ende November hat Nanogate den Einstieg in den E-Mobility-Markt gemeldet. Ist das tatsächlich mehr als ein cleverer PR-Schachzug?

Beschichtung
Ralf Zastrau: Die Ausrichtung auf nachhaltige Technologien ist Kern unserer strategischen Ausrüstung. Nanogate liefert heute zahlreiche Systeme, die den Ressourcenverbrauch begrenzen. Bestes Beispiel sind unsere innovativen und ästhetischen Kunststoffbausteile. Sie ersetzen schwere Glasbauteile und kommen vor allem im Automobilbau zum Einsatz. Sie ermöglichen dank ihres niedrigeren Gewichts einen geringen Spritverbrauch. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis wir auch den E-Mobility-Markt erschließen. In einem ersten Projekt liefern wir Design-Oberflächen für Ladestationen aus Kunststoff. Auch bei diesen Bauteilen legen die Kunden der Premium-Automobilhersteller Wert auf eine hochwertige Anmutung, die zu ihrem Auto passt. Wir stehen derzeit auch in Verhandlungen mit einem weiteren Hersteller und sehen hier angesichts des Trends zum Elektro-Auto noch weiteres Marktpotenzial.

Financial.de: Mit welchen Erwartungen blicken Sie jetzt auf 2017? Welche Ziele haben Sie sich – neben dem neuen Umsatzziel von mehr als 150 Mio. Euro – für das kommende Geschäftsjahr gesetzt?

Ralf Zastrau: Zunächst liegt unser Augenmerk auf dem Closing der Jay-Plastics-Transaktion, das wir im ersten Quartal erwarten. Auf dieser Basis beruht auch unsere erste vorsichtige Schätzung zum Umsatzanstieg auf mehr als 150 Mio. Euro im nächsten Jahr. Wir werden unmittelbar danach mit der Integration beginnen, so dass wir möglichst schnell erste Projekte gewinnen. Parallel zur Mehrheits-Übernahme konzentrieren wir uns auf das organische Wachstum. Neben dem Ausbau der Marktposition bei innovativen Kunststoffkomponenten steht unsere neue Technologie-Plattform N-Metals Chrome im Mittelpunkt. Ich bin optimistisch, dass unsere Pipeline für neue Projekte gut gefüllt ist.

Financial.de: Welche Entwicklung dürfen Ihre Aktionäre auf der Ergebnisseite in den kommenden Jahren erwarten?

Ralf Zastrau: Nanogate will in den nächsten Jahren organisch weiter wachsen und die Profitabilität deutlich ausbauen. Wir erwarten schon 2017 erste Effekte. Das Konzern-EBITDA soll sich trotz der erheblichen Transaktions- und Integrationskosten deutlich verbessern. Das soll sich natürlich in den Folgejahren fortsetzen. Die Analysten, die die Nanogate-Aktie covern, sind sehr optimistisch gestimmt. Mit Blick auf die Mehrheits-Beteiligung wurden die Kursziele auf bis zu 56 Euro erhöht.

Financial.de: Herr Zastrau, vielen Dank für das Interview.

 

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das Interview wurde von financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.


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